Kämpfe haben sich erneut verschärft
Liberias Präsident kündigt Rücktritt an

Zwei Tage vor Ankunft der ersten nigerianischen Friedenstruppen hat Liberias Präsident Charles Taylor am Samstag seinen Rücktritt für den 11. August angekündigt. Sein Machtverzicht gilt als Schlüssel für ein Ende der seit Jahren andauernden Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen in dem westafrikanischen Land.

Reuters MONROVIA. In der Hauptstadt Monrovia eroberten die Regierungstruppen nach eigenen Angaben drei wichtige Brücken von den Lurd-Rebellen zurück. Am Montag sollen als Vorhut der Friedenstruppen 300 nigerianische Soldaten, die in Sierra Leone bereit stehen, nach Liberia einrücken. Viele erwarten in den kommenden Tagen das Ende einer Rebellion, die Taylors Gegner 2000 in dem seit 14 Jahren dauernden Bürgerkrieg begonnen haben, um ihn zu stürzen.

Taylor bestätigte in Monrovia den von Ghanas Außenminister Nana Akufo-Addo genannten Rücktrittstermin mit den Worten: „Das ist korrekt.“ Er werde sein Versprechen halten, zurückzutreten und das Land zu verlassen, sagte er nach Beratungen mit Vermittlern aus mehreren westafrikanischen Staaten und der Ecowas, der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten. „Präsident Taylor hat seine Zustimmung bekräftigt, die politische Bühne in Liberia zu verlassen“, sagte der Außenminister Ghanas, Nana Akufo-Addo, der an den Beratungen in Monrovia teilnahm. „Es ist zu erwarten, dass er am Montag, dem 11. August, formell die Macht übergibt, und dass der Prozess seiner Abreise beendet wird.“

Taylor hatte sich wiederholt bereit erklärt, Liberia zu verlassen, sobald die Friedenstruppen eingetroffen seien, und ein Exil in Nigeria akzeptiert. Die Stationierung der nigerianischen Soldaten hatte die Ecowas beschlossen. Ihr gehören 15 Staaten an, darunter Nigeria und Liberia sowie dessen Nachbarländer Sierra Leone, Elfenbeinküste und Guinea. Der UNO-Sicherheitsrat hatte am Freitag in einer Resolution den von der Ecowas angekündigten Truppen und Streitkräften anderer Staaten das Mandat erteilt, um den Bürgerkrieg in dem westafrikanischen Land zu beenden. Die Ecowas will letztlich rund 3250 Soldaten in Liberia stationieren.

Kämpfe in Monrovia und Buchanan

In Monrovia schlugen Regierungstruppen nach eigenen Angaben die Rebellen der Liberianischen Vereinigung für Versöhnung und Demokratie (Lurd) zurück. „Unsere Männer haben die Neue und die Alte Brücke eingenommen“, erfuhr Reuters aus Militärkreisen. Auch die strategisch wichtige Stockton-Brücke sei eingenommen worden. Damit sei der Weg offen, für einen zangenförmigen Angriff auf die Hafenregion, die von den Rebellen gehalten wird. Von dort war lauter Gefechtslärm zu hören. In den vergangenen beiden Wochen wurden in Monrovia hunderte Menschen getötet. Die Bevölkerung der Stadt, die durch tausende Flüchtlinge massiv angewachsen ist, leidet unter Wasser- und Lebensmittelmangel. Auch in der zweitgrößten Stadt, in Buchanan, bekämpften sich Regierungstruppen und Model-Rebellen. Die Bewegung für Demokratie in Liberia (Model) hatte Buchanan am vergangenen Montag eingenommen. Gemeinsam mit der Lurd, der größten Rebellen-Gruppe in Liberia, kontrolliert die Model rund zwei Drittel des Landes. „Es gibt schwere Gefechte in Buchanan“, sagte Verteidigungsminister Daniel Chea. „Die Kerle (die Rebellen) sind in Buchanan, und wir kämpfen. Wir versuchen, sie von dort zu vertreiben.“ Die Zahl der zivilen Opfer sei hoch.

Rund 200 000 Menschen wurden getötet, seit 1989 der Bürgerkrieg in Liberia begann. Taylor ließ sich 1990 zum Präsidenten ausrufen und wurde 1997 bei Wahlen auf diesem Posten bestätigt. Er ist wegen Kriegsverbrechen vor einem internationalen Gericht angeklagt. Er wird beschuldigt, im Bürgerkrieg in Sierra Leone Rebellen unterstützt zu haben. Vor drei Jahren erhoben sich in seinem eigenen Land Rebellen mit dem Ziel, Taylor zu stürzen.

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