Kämpfe in Aleppo
Syrische Abgeordnete flieht in die Türkei

Die Vertreterin der Region Aleppo lässt ihre Stadt im Stich und setzt sich ins Ausland ab. Dort beschießt die Armee die Aufständischen inzwischen aus Kampfhubschraubern. Die Bewohner wollen nur noch eins: weg.
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Amman/AnkaraVor den Kämpfen in Syrien ist erstmals ein Parlamentsmitglied ins Nachbarland Türkei geflohen. Die Abgeordnete Ichlas al-Badaui erklärte am Freitag im Fernsehsender Sky News Arabia, sie habe sich abgesetzt, um dem „tyrannischen Regime“ von Präsident Baschar al-Assad und seiner seit fast 50 Jahren herrschenden Baath-Partei zu entkommen.

Sie sei geflohen, „vor der Unterdrückung und der grausamen Folter einer Nation, die ein Minimum an Rechten fordert“, sagte Badaui, die selbst der Baath-Partei angehörte. Wie die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, habe Badaui zudem gewarnt, dass Präsident Baschar Assad eine Offensive gegen Städte plane, in denen Rebellen gegen Regierungstruppen kämpften.

Die Politikerin vertrat die nördliche Provinz Aleppo. Dort liefern sich derzeit Rebellen und Assad-treue Soldaten heftige Gefechte. Oppositionellen berichten, dass die Armee sie inzwischen aus Kampfhubschraubern heraus beschießt.

Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, dass sich die Angriffe auf den Süden und Südwesten des Stadtgebietes von Aleppo konzentriert hätten. Im Stadtzentrum sei am Boden gekämpft worden. Allein am Donnerstag habe es demnach 164 Todesopfer gegeben, darunter 84 Zivilisten.

In Aleppos Stadtviertel Salaheddin bereiteten sich die Aufständischen indes auf eine Offensive des syrischen Militärs vor, das in den vergangenen Tagen weitere Truppen nach Aleppo verlegt hatte. Hunderte Kämpfer der Rebellen errichteten dort Blockaden aus Sandsäcken und richteten Feldlazarette ein, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Quer über einer Zufahrtsstraße wurde ein Bus gestellt, um diese zu blockieren. Zahlreiche Menschen sind inzwischen aus der Stadt geflohen.

Ichlas al-Badaui war für den Bereich „Arbeiter und Bauern“ in das Anfang Mai gewählte Parlament entsandt worden - damit sind die vom Staat unterstützten Gewerkschaften der Arbeiter und Bauern gemeint, denen die Hälfte der 250 Sitze im Parlament garantiert zustehen. Die Wahl war ein wichtiger Teil des von Assad eingeleiteten Reformprozesses - den Aufstand, der inzwischen seit 16 Monaten dauert und mindestens 18.000 Menschen das Leben kostete, konnte die Abstimmung aber nicht abwenden.

Wegen des Aufstandes und der massiven Gewalt, mit der die Staatsführung darauf reagiert, haben sich bereits mehrere Angehörige der Baath-Partei und des Militärs von Assad abgewandt. Erst vor zwei Wochen war der syrische Botschafter im Irak nach Katar geflohen. Mit Brigadegeneral Manaf Tlas hatte sich zu Beginn des Monats einer der ranghöchsten Militärs abgesetzt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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