Kampf gegen Spekulanten
EU will Börsenhandel bremsen

Das Europäische Parlament will den Hochfrequenzhandel an den Börsen durch eine Mindesthaltdauer für Kaufaufträge von einer halben Sekunde einschränken. Die Regelung muss jetzt vom zuständigen Ausschuss abgesegnet werden.
  • 3

BrüsselIm Kampf gegen Spekulanten will das Europäische Parlament deutlicher als in Deutschland geplant den Hochfrequenzhandel an den Börsen einschränken. Die Abgeordneten pochen auf eine Mindesthaltdauer für Kaufaufträge und nehmen damit die sogenannten Algo-Trader ins Visier, die über Computer-gesteuerte Order kleinste Kursschwankungen in Bruchteilen einer Sekunde ausnutzen.

Händler sollten verpflichtet werden, die Aufträge mindestens eine halbe Sekunde bestehen zu lassen, hieß es am Donnerstag in Parlamentskreisen. Darauf hätten sich die Fraktionen als gemeinsame Position für die Verhandlungen mit den Regierungen über die verschärfte Vorgaben für den Wertpapierhandel (Mifid II) geeinigt. Das Ergebnis soll in der kommenden Woche vom zuständigen Ausschuss abgesegnet werden, die Richtlinie 2014 in Kraft treten.

Eine Mindesthaltdauer von 0,5 Sekunden entzieht dem Algo-Trading die Geschäftsgrundlage: Die Computerprogramme feuern in dieser Zeit bisher unzählige Aufträge ab. Experten zufolge macht diese Art des Handels in Deutschland inzwischen etwa 40 Prozent der Order an den Börsen aus, in den USA sind es 70 Prozent. Die Methode steht im Verdacht, durch ihre Automatisierung Kursentwicklungen massiv zu verstärken. Die schwarz-gelbe Koalition in Berlin hat auf eine Mindesthaltdauer verzichtet, als sie Ende Juni ihre Eckpunkte für eine stärkere Kontrolle des Hochfrequenzhandels vorgelegt hat. Auch die Börsen selbst haben ein Interesse an schärferen Vorgaben für das Algo-Trading. Die Flut von Aufträgen verstopft die IT-Systeme, sorgt aber für verhältnismäßig wenig Umsatz.

Im Streit um Provisionen für Finanzprodukte nimmt das Parlament eine großzügigere Haltung ein als die EU-Kommission in ihrem Mifid-Vorschlag. Den Parlamentskreisen zufolge wollen die Abgeordneten Vermittlungsgebühren erlauben, verlangen aber eine umfassende Offenlegung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kampf gegen Spekulanten: EU will Börsenhandel bremsen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • RICHTIG erkannt ! der Meinung schließe ich mich an !

    BÖRSENCASINOs ZERSTÖREN ALLE VERNÜNFTIGEN VOLKSWIRTSCHAFTEN
    Sie zerstören alles Gute in unserer Welt

    dazu sollte jeder diesen Film von Arte kennen

    http://dieganzewahrheit.org/2012/09/13/indignez-vous/#more-1511

  • "Mindesthaltdauer für Kaufaufträge von einer halben Sekunde" - was für ein zeitgemäßer also mißerabler Witz ist das denn??? Verdummung der Massenleser! Wenn der Hochfrequenzhandel wieder OFFLINE - komplett OFFLINE - ist, können auch wieder "Kleinanleger" mit sonst soliden Aktien auf ihr Alter hinsparen! Schaltet diese Merde endlich ab von den Computern!!!!

  • Technologischer Rüchschritt. Länger geht auch nicht. Andernfalls müssten elektronische Handelssysteme wie XETRA, Nasdaq, ... abgeschaltet werden. Ihre Haltedauer liegt bei 400ms. Oder plant die EU die Wiedereinführung des Parketthandels für alle: Handeln zum Mitschreiben? Da das Handeln von Wertpapieren, das Handeln von Information abbildet, ist die EU-Reglung die 1. Einführung von Zensur durch die Hintertür. Es merkt nur keiner. Vielleicht wissen sie es selbst nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%