Kampf gegen Terrorismus
EU will Flüssigkeiten-Verbot im Handgepäck ausweiten

Die Europäische Union will ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus steigern. Nach den vereitelten Anschlägen auf Transatlantikflüge in die USA erwägt die EU, das Verbot von Flüssigkeiten im Handgepäck auf alle Mitgliedsstaaten auszuweiten.

HB BRÜSSEL.Luftfahrtexperten der EU würden Anfang September die Wirkung dieser Sicherheitsmaßnahmen beurteilen, kündigte ein Sprecher von Justizkommissar Franco Frattini an. „Bis dahin wird es keine Entscheidung geben“, erklärte er nach einer Konferenz von EU-Innenministern in London.

Großbritannien und andere EU-Staaten hatten das Verbot vergangene Woche angeordnet. Der Polizei zufolge wollten Extremisten Bomben aus flüssigem Sprengstoff auf Flügen über den Atlantik zünden. Wegen der Sicherheitsvorkehrungen verkaufen die Duty-Free-Läden an den betroffenen Abfertigungsgebäuden kaum noch Wein, Spirituosen und Parfüms. Der US-Parfümhersteller Estee Lauder und der französische Getränkekonzern Pernod-Ricard erklärten, sie würden die Entwicklung genau beobachten.

Die Innenminister mehrerer EU-Staaten hatten am Mittwoch gefordert, die Sicherheitsstandards auch auf außereuropäischen Flughäfen zu erhöhen. Der deutsche Ressortchef Wolfgang Schäuble setzte sich für einheitliche Vorschriften bei der Kontrolle für Fluggästen ein.

Die britische Polizei hatte bis Dienstagabend 24 mutmaßliche Islamisten unter dem Verdacht verhaftet, mit Flüssigsprengstoff Anschläge auf Flüge in die USA geplant zu haben. Die Polizeiaktion vergangene Woche hatte zu heftigen Beeinträchtigungen im weltweiten Flugverkehr geführt.

„Wir haben es mit einer fortdauernden und sehr realen Bedrohung in ganz Europa zu tun“, sagte der gastgebende britische Innenminister John Reid nach dem Treffen mit seinen Kollegen aus Deutschland, Frankreich, Finnland, Portugal und Slowenien. Als Konsequenz solle der Datenaustausch unter anderem der Geheimdienste ausgebaut werden. Das gelte insbesondere für Erkenntnisse über flüssige Sprengstoffe.

Die EU solle sich über technische Hilfen bemühen, auch die Sicherheitsstandards in Drittstaaten zu erhöhen, forderten die Minister in einer gemeinsamen Erklärung. Was die europäischen Flughäfen angehe, sollten die einschlägigen EU-Gremien so rasch wie möglich zusammenkommen, um über eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Experten für Luftsicherheit und Terrorismus-Bekämpfung zu beraten. „Kurzfristig wollen wir die Kontrollen für die Passagiere für den Flugverkehr möglichst einheitlich gestalten“, sagte Schäuble.

Zugleich plädierten die Innenminister für verstärkte Maßnahmen gegen den so genannten „home-grown“ Terrorismus, also die Anwerbung und Radikalisierung von im Westen aufgewachsener Moslems oder Konvertiten. Die finnische EU-Ratspräsidentschaft wolle hierzu regelmäßige Expertentreffen starten. Dabei sollten Erfahrungen über die Radikalisierung in Gefängnissen, Schulen und Andachtsstätten ausgetauscht werden.

Die im Zusammenhang mit den Plänen in Pakistan festgenommenen Verdächtigen werden britischen Angaben zufolge nicht so bald nach Großbritannien ausgeliefert. Derzeit werde geprüft, ob unter den sieben vorige Woche verhafteten Personen Briten seien, sagte ein Sprecher des britischen Hochkommissars in Pakistan.

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