Kampf gegen Tropenkrankheiten
„Wir sind alle verwundbar“

Tropenkrankheiten sind Armutskrankheiten und kein gutes Geschäft für die Pharmaindustrie. Warum sich das Globale Netzwerk für Tropenkrankheiten mehr deutsche Hilfe im Kampf gegen diese vergessenen Krankheiten wünscht.

BerlinEs war ein großer Durchbruch, als die sieben großen Industrienationen auf ihrem Gipfeltreffen auf Schloss Elmau Anfang Juni dieses Jahres in ihre Abschlusserklärung den Satz aufnahmen „Wir verpflichten uns zum Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten, wir sind entschlossen, dass Kinder weltweit nicht mehr an vermeidbaren Krankheiten sterben müssen.“

Das sei ein langer Weg gewesen, berichtet Carsten Köhler vom Deutschen Netzwerk gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten. Köhler, im Hauptberuf Direktor des Kompetenzzentrums Tropenmedizin der Universität Tübingen, ist derzeit mit dem Managing Director des Global Network for Neglected Tropical Diseases, Neeraj Mistry, und dem Präsidenten des Sabin Vaccine Instituts Houston Texas, Peter Hotez, unterwegs in Berlin, um bei Abgeordneten des deutschen Bundestags und im Ministerium die Trommel dafür zu rühren, dass den Bekenntnissen des Gipfels von Elmau nun auch Taten folgen.

Hotez wurde von Präsident Obama nicht von ungefähr ins Amt des amerikanischen Wissenschaftsbotschafters 2015 berufen. Der Dekan der National School für Tropenkrankheiten leitet die einzige Produktentwicklungspartnerschaft für die Entwicklung neuer Impfstoffe gegen Infektionen mit Hakenwürmern, Schistosomiasis, auch Bilharziose genannt, und die Cagas-Krankheit sowie die lebensbedrohlichen durch Viren ausgelösten Atemwegserkrankungen SARS und MERS.

Das sind vier der 17 meist durch Insekten oder kontaminierte Böden oder verseuchtes Wasser verbreiteten Tropenkrankheiten, von denen allein weltweit mehrere hundert Millionen Kinder und Erwachsene betroffen sind. Und er kennt viele gute Gründe, warum sich gerade Deutschland, dass aktuell mit seinen offenen Armen für Kriegsflüchtlinge Sympathien auf der ganzen Welt gewinnt, auch des Themas Tropenkrankheiten verstärkt annehmen sollte.

„Es waren deutsche Forscher, die viele dieser Krankheiten erstmals beschrieben und erforscht haben“, so Hotez. So war es der deutsche Tropenarzt Theodor Bilharz, der die Schistosomiasis 1851 entdeckte. Zudem war Berlin der Ort, an dem vor zehn Jahren eine Gruppe von Wissenschaftlern auf die Idee kam, das Problem dieser Erkrankungen, von denen vor allem in den armen Regionen Afrikas, Asiens, Südamerikas und des Nahen Ostens insgesamt geschätzte 1,9 Millionen Menschen betroffen sind, bei den Verantwortlichen in den Industrieländern zu thematisieren.

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„Dieser Job muss vollendet werden“

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