Kampf um Donezk
Separatisten warnen vor neuem „Stalingrad“

Die prorussischen Rebellen wollen Donezk um jeden Preis verteidigen. Sollte die ukrainische Armee in die Stadt einmarschieren, werde man „um jeden Meter“ kämpfen. Gleichzeitig fordern die Separatisten eine Waffenruhe.
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Die ostukrainische Stadt Donezk ist nach Angaben der örtlichen Separatisten komplett von den Regierungstruppen belagert. Donezk sei „eingekesselt“ und drohe, ein neues „Stalingrad“ zu werden, erklärte der Regierungschef der selbsterklärten Volksrepublik Donezk, Alexander Sacharschenko, am Samstag. Er warnte vor einer humanitären Katastrophe in der Millionenstadt und forderte einen Waffenstillstand. Russland wies den Vorwurf einer als Hilfsmission getarnten Invasion in der Ostukraine zurück.

„Wir sind zu einem Waffenstillstand bereit, um die zunehmende humanitäre Katastrophe abzuwenden“, erklärte Sachartschenko auf der Rebellen-Webseite. Zugleich betonte er, dass die Aufständischen bereit seien, die Stadt unter Einsatz ihres Lebens zu verteidigen, wenn die ukrainische Armee dort einmarschiere. „Der Kampf wird um jede Straße, um jedes Haus, um jeden Meter unseres Lands geführt“, warnte Sachartschenko, der erst seit Donnerstag die Separatisten von Donezk anführt.

Waffenruhe ist „Aussage ohne Taten“

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach angesichts rasant steigender Opferzahlen und einer zerstörten Infrastruktur von einer schwierigen humanitären Lage in den Separatistenhochburgen Donezk und Lugansk. Falls allerdings Russland wie beabsichtigt Hilfsgüter in das Konfliktgebiet schicken wolle, dürfe dies nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Ukraine geschehen, betonte er.

Die ukrainische Armee lehnte eine Feuerpause ab. Die erklärte Bereitschaft der Separatisten zu einer Waffenruhe sei lediglich eine „Aussage ohne Taten“, teilte der nationale Sicherheitsrat in Kiew am Sonntag mit. „Das Hissen der weißen Fahne oder die Abgabe der Waffen: Das sind konkrete Handlungen“, sagte Sprecher Andrej Lyssenko. Aber die Aufständischen in der umkämpften Großstadt Donezk würden keine praktischen Schritte unternehmen. Separatistensprecher Sergej Kawtaradse forderte die Armee zu Gesprächen auf. „Wir wollen über einen Fluchtkorridor für Zivilisten verhandeln“, sagte er.

Die Regierungstruppen sind nach eigenen Angaben bereit, in die Industriestadt einzumarschieren. Vor den Kämpfen lebten dort eine Million Menschen, inzwischen sind viele geflohen. Die Regierungstruppen haben die Stadt am Sonntagmorgen unter heftigen Artilleriebeschuss genommen. Eine AFP-Reporterin hörte vom Stadtzentrum aus mehr als 20 Explosionen. Nach Angaben des Bürgermeisteramtes wurde ein Privathaus von einem Geschoss zerstört, auch ein Krankenhaus wurde demnach schwer beschädigt. In der Nähe sei eine Frau verletzt worden. Die Streitkräfte teilten am Sonntag mit, sie hätten ihre Offensive fortgesetzt, um die prorussischen Separatisten in die Enge zu treiben. Die Angriffe seien auf Stützpunkte der Aufständischen gerichtet gewesen.

Die Armee versucht auch, andere Rebellenhochburgen, darunter die Großstadt Lugansk, zurückzuerorbern. Erbitterte Gefechte liefern sich Aufständische und Regierungskräfte um die strategisch wichtige Stadt Krasny Lutsch. Der Sicherheitsrat in Kiew widersprach Berichten, wonach der Ort bereits in den Händen der Armee sei. „Die Kämpfe dauern unvermindert an“, sagte Sprecher Andrej Lyssenko am Sonntag. Die prorussischen Kräfte berichteten von Gebietsgewinnen in den Vororten. Krasny Lutsch liegt zwischen den Separatistenhochburgen Donezk und Lugansk. Wer die Stadt beherrscht, kontrolliert auch eine wichtige Straße zur russischen Grenze.

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  • Chaostage in Donezk
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    Donezk ist von den Regierungstruppen umzingelt. Sie raten den Einwohnern, die Stadt zu verlassen.

    Die Paramilitärs (Separatisten) fordern eine "Waffenruhe" aber keinen "Waffenstillstand".

    Die Nato stuft die Wahrscheinlichkeit einer russischen Invasion in der Ostukraine nach Worten von Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen als sehr hoch ein.
    Rasmussen sagte, russische Äußerungen deuteten darauf hin, dass ein Einmarsch unter dem Vorwand einer Hilfsaktion stattfinden könnte.

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