Kampf um Kobane
USA wollen neue Strategie gegen IS

Die Alliierten warten im Kampf gegen den IS weiter auf Erfolge. Obwohl die Luftschläge einige Terroristen ausschalten, dringen diese weiter in die Grenzstadt Kobane vor. Das Militärbündnis will sich nun neu formieren.
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Beirut/MustipinarUngeachtet zahlreicher US-geführter Luftangriffe auf Stellungen der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) sind IS-Kämpfer weiter in die Stadt Kobane vorgerückt. Am Donnerstag hätten die IS-Milizionäre ihre Kontrolle auf mehr als ein Drittel der syrischen Kurdenstadt ausgedehnt, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit, während die kurdische Stadtregierung das dementierte. Kobane liegt direkt an der türkischen Grenze; Ankara bekräftigte, nicht im Alleingang mit Bodentruppen eingreifen zu wollen.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle, die sich auf ein Netzwerk von Informanten vor Ort stützt, eroberten die IS-Kämpfer auch den Sitz der kurdischen Sicherheitskräfte in Kobane. Am Mittwoch wurden demnach 42 IS-Kämpfer getötet, davon 23 durch Luftangriffe. Zudem seien 15 kurdische Kämpfer getötet worden.

Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten im Laufe des Donnerstags von der türkischen Seite der Grenze aus mindestens vier neue Luftangriffe auf IS-Stellungen bei Kobane. Die US-Armee griff die IS-Kämpfer nach eigenen Angaben am Mittwoch 14 Mal aus der Luft an und zerstörte dabei gepanzerte Fahrzeuge, Lager und Unterkünfte des IS.

Kobane ist die drittgrößte Kurden-Stadt in Syrien und gehörte vor der IS-Offensive zu den Hochburgen der kurdischen Autonomiebestrebungen. Mit einem Verlust Kobanes und der umliegenden Region könnten die syrischen Kurden ihre in den Wirren des syrischen Bürgerkriegs errungene Selbstverwaltung wieder einbüßen. Der IS würde dagegen mit der Eroberung Kobanes im Norden Syriens ein geschlossenes Gebiet entlang der türkischen Grenze in den Händen halten.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte am Mittwoch (Ortszeit), dass Luftangriffe wohl nicht ausreichen werden, um die drohende Eroberung von Kobane zu verhindern. Im Anschluss an Beratungen mit ranghohen Militärvertretern im Pentagon sagte US-Präsident Barack Obama, der Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak bleibe „eine schwierige Mission“.

Deshalb wollen nun die Militärchefs der Koalition zum Kampf gegen den IS bei einem Treffen auf höchster Ebene über ihre Strategie im Irak und in Syrien diskutieren. Sie reagieren damit auf die anhaltende Kritik am mangelnden Erfolg der Luftoffensive in Syrien und im Irak. Dazu lud US-Generalstabschef Martin Dempsey mehr als 20 seiner Kollegen ein. Die Gespräche sollen kommenden Montag mit einem gemeinsamen Abendessen beginnen und am Dienstag am Militärstützpunkts Andrews bei Washington fortgesetzt werden. Es sei das erste Treffen auf dieser Ebene seit Beginn der Luftschläge im Irak Anfang August, sagte ein US-Militärangehöriger.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu forderte, das internationale Bündnis gegen den IS müsse sich auf eine gemeinsame umfassende Strategie einigen. Um den Fall Kobanes mit einem Strategiewechsel zu verhindern, könnte es bei dem Treffen am Montag und Dienstag allerdings schon zu spät sein.

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Türkei: Alleingang ist nicht realistisch

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  • »Das Verhalten der türkischen Regierung ist ein Skandal.«

    Nein, »D« müsste das sogar. Aber die Türkei sieht sich nicht als der Handlanger für die Expansionsgelüste der Weltregierung, die mittlerweile zu feige ist ihre »Orks« zu schicken, die haben sich in letzter Zeit zu oft den A… verbrannt. Erdogan kennt das Risiko, das er bei einer auch indirekten Intervention eingehen würde. Die Scherben dürften die Türken zusammen fegen, so wie die Vietnamesen, Iraker, Afghanen usw.

  • Das Verhalten der türkischen Regierung ist ein Skandal.

    Sie könnten wenigstens den Amis&Co. den Start von türkischen Luftbasen und Hilfe über die Grenze (Waffen/Nahrungsmittel/Medikamente) erlauben.

  • Die USA haben IS ins Leben gerufen, genauso wie Al-Kaida !

    http://www.boilingfrogspost.com/2014/09/08/will-the-real-al-baghdadi-of-isis-please-stand-up/#sthash.3JO4ksvi.dpuf

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