Kampfjet abgeschossen
Die Allianz der Kriegsherren bekommt Risse

Beim G20-Gipfel ließ sich Gastgeber Erdogan dafür feiern, Kremlchef Putin und die Machthaber des Westens an einen Tisch gebracht zu haben. Mit dem Abschuss dürfte sich das Verhältnis zu Russland abkühlen. Ein Kommentar.
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Noch vor einer Woche zeigte ein schwammig gewordenes Foto, wie US-Präsident Barack Obama und Kremlchef Wladimir Putin beim G20-Gipfel in einer Hotellobby reden und vermutlich über den gemeinsamen Kampf gegen den Terror sprechen. Gastgeber war die Türkei, die sich ebenfalls im Kampf gegen IS und Bürgerkrieg in Syrien engagiert.

Heute zeigte das türkische Fernsehen live, wie das eigene Militär einen russischen Kampfjet zu Boden bringt. Auf den Bildern ist zu sehen, wie die Maschine vom Typ SU24 brennend senkrecht zu Boden fällt. Die beiden Piloten segeln an Fallschirmen in einigem Abstand zum Wrack auf eine Bergregion zu.

Der türkische Staatschef Erdogan ließ sich in der Türkei noch selbst dafür feiern, Obama und Putin an einen Tisch gebracht zu haben. Jetzt lässt er über hohe Beamte im türkischen Präsidentenpalast durchsickern, dass Sicherheitskräfte offenbar ohne zu zögern ein russisches Flugzeug vom Himmel holen lassen.

Mit dem Abschuss dürfte sich das Verhältnis zu Russland erheblich abkühlen. Außerdem zeigt der Fall: Die Interessen sind nicht so eng beieinander, wie die Fotos vom Putin-Obama-Gespräch vermuten lassen. Russland bekämpft alle Oppositionsgruppen inklusive den IS und stützt damit die Regierungstruppen von Syriens Präsident Assad. Die Türkei und der Westen wiederum stellen sich gegen die Regierungstruppen sowie den IS, indem sie Oppositionsgruppen unterstützen.

Russisches Militär hatte in den vergangenen Tagen Dörfer im Nordwesten Syriens angegriffen, in denen viele Turkmenen leben. Das türkisch-stämmige Volk bildet eine Minderheit in dem Bürgerkriegsland und kämpft seit Jahren für mehr Autonomie. Im Kampf gegen Assad stellen sich die Turkmenen auf die Seite der Opposition und kämpfen ebenfalls gegen die Regierungstruppen.

Die Offensive des russischen Militärs passte der Türkei überhaupt nicht. Sie beriefen eine Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrates ein. Außerdem kündigte Regierungschef Ahmet Davutoglu an, jegliches Fehlverhalten fremder Militärs sofort zu vergelten. Die Drohung war offenbar ernst gemeint.

Das klingt nicht nach trauter Einigkeit, sondern nach einem Nebenkriegsschauplatz. Anstatt dem gemeinsamen Feind, der Terrororganisation IS, Einhalt zu gebieten, streiten sich die beiden Länder um eine kleinere Volksgruppe. Der Abschuss macht deutlich, wie wichtig eine gemeinsame Resolution geworden ist. Anstatt den sicher unschönen Angriff auf eine Bevölkerungsminderheit im Nordwesten Syriens zu verurteilen, sollte der Uno-Sicherheitsrat mit einem robusten Beschluss endlich die Fronten in dem Konflikt klären. Dann müssten auch keine Flugzeuge mehr von denjenigen Kriegsparteien abgeschossen werden, die Obama, Erdogan und Europa eigentlich zu den Verbündeten zählen wollen.

Kommentare zu " Kampfjet abgeschossen: Die Allianz der Kriegsherren bekommt Risse"

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  • "Der bewährte Grundsatz "Keine direkte Konfrontation mit Russland" muss über allem stehen! Alles andere ist Wahnsinn!"

    Das geht vor allem an die Adresse Russlands. Putin hat durch die Krimannexion, den Abschuss von MH17 und die Provokationen an der Türkischen Grenze gezeigt, dass er Risiken eingeht, die über kurz oder lang in die Katastophe führen werden. Wenn Putin sich nicht an diese Grundsätze hält, muss man ihn robust stoppen, schließlich ist es nicht die Türkei oder der Westen, der in den letzten zwei Jahren als Aggressor aufgetreten ist.

    Wenn man Putin jetzt nicht energisch Einhalt gebietet, wird sein Appetit nur noch größer.

  • Liebe Leser,

    die Kommentarfunktion ist geschlossen. Leserbriefe und interessante Beiträge zur Debatte nehmen wir gerne unter debatte@handelsblatt.com entgegen.

    Beste Grüße aus der Redaktion.

  • Sie haben meine Zustimmung, bis zum Thema H. Schröder. Dort wo er jetzt ist, ist er gut aufgehoben.
    Aber die GROKO muß abgelöst werden; jedoch ohne ohne Phantasten, Selbstdarsteller, Träumer und Traumtänzer.
    Wer solche Natopartner wie die Türkei als Nachbarn hat, braucht keine "Feinde" mehr.
    Wer ist eigentlich jetzt der Aggressor Frau Dr. Merkel????

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