Karikatur zur Flüchtlingskrise
Charlie Hebdo verspielt Sympathien

Bitterböse oder übers Ziel hinausgeschossen? Eine Karikatur im „Charlie Hebdo“ bildet den ertrunkenen syrischen Jungen Aylan ab. Ein Sturm der Entrüstung bricht los. Das ist nicht das einzige Problem der Zeitschrift.
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ParisDie französische Satirezeitung Charlie Hebdo hat mit einer Karikatur über den ertrunkenen syrischen Jungen Aylan den Zorn vieler Nutzer von sozialen Netzwerken auf sich gezogen. Das Bild, das nicht auf dem Titel prangt, wie fälschlicherweise geschrieben wurde, sondern neben mehreren anderen Zeichnungen auf der Rückseite, zeigt das ertrunkene Kind neben einer McDonalds-Werbung für Kindermenüs, unter der Überschrift: „So nah am Ziel…“

Andere Karikaturen zum selben Thema in dem Heft setzen den Ertrunkenen in Verbindung zu Urlaubern, zum Ex-Chef der französischen Rechtsradikalen Le Pen oder zu einer Kinderattraktion. Auf dem Titel sieht man einen Franzosen im Sessel, der seine Füße auf einem Flüchtling abstützt.

Vielen geht das zu weit: „Es gibt eine feine Trennlinie zwischen Meinungsfreiheit und schlechtem Geschmack, und Charlie hat sie wieder einmal überschritten“, schreibt ein Nutzer auf Twitter. Andere werfen Charlie Gefühllosigkeit oder gar Fremdenfeindlichkeit vor.

Allerdings gibt es auch ganz andere Reaktionen: Charlie wolle den Egoismus des Westens kritisieren, hält ein Tweet der Zeitung zugute. Die Redaktion wurde im Januar Ziel eines Terroranschlages von Islamisten, dem viele Redakteure und Zeichner zum Opfer fielen. Die Mohammed-Karikaturen, die das Satireblatt gedruckt hatte, dienten den Mördern als Vorwand für ihren Anschlag.

Die Redaktion selber setzt sich in einem Text mit den Medienreaktionen auf das Bild von Aylan auseinander: Man müsse schon extrem naiv oder gar zynisch sein um zu behaupten, das Foto eines ertrunkenen Kindes werde dazu führen, dass „ein Ruck durch die Europäer“ gehe und sie nun mehr Flüchtlinge aufnehmen würden, kritisiert die Redaktion den Medienhype um das Foto das im Mittelmeer ertrunkenen Kindes.

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Charlie Hebdo verspielt Sympathien

Seite 2:

„Hut ab vor den Holzköpfen“

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  • Charlie Hebdo muß man wirklich nicht gelesen haben.

  • Nicht zu vergessen die vielgepriesene Willkommenskultur. Wer will sich da schon kritisch äussern ohne gleich in die Ecke der Glatzköpfe gestellt zu werden

  • Das Blatt hatte seine höchste Auflage nach dem Attentat. Ansonsten wüsste nur eine sehr kleine Minderheit von dem Blatt.

    Die ganzen Kerzenschwenker und Gutmenschbekunder sind mittlerweile woanders.

    De Fakto interessiert es kein (...) mehr was die so täglich pinseln.
    Das jetzt nur noch angepasster Mainstream kommt ist klar.
    Mir wär das Gehalt auch zu niedrig um jeden Tag der Gefahr ausgesetzt zu sein von irgendwelchen islamischen (...) einfach mal in der Mittagspause erschossen zu werden ob aus Langeweile, vorgeschobenen politischen Gründen oder sonst irgend etwas.

    Insofern ist dieser Wandel kein Wunder. Die Politik ist nach den schönen Grabreden auch zu neuen Ufern aufgebrochen.

    Bin jetzt nur mal gespannt wie lange dieser Welcome Hype bei uns so dauert.
    Denke das da bald Ernüchterung kommt und die Herrschaften merken dass, dass
    verdammt viel Geld kostet.

    Dann werden die Medien auch das schnell vergessen haben und und vermutlich das Gegenteil propagieren.

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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