Kaschmir-Grenze für Bebenhilfe geöffnet
Unermessliches Leid und Elend in Pakistan

Am Montag haben Indien und Pakistan erstmals Hilfe für die Erdbebenregion über die umstrittene Grenze in Kaschmir ausgetauscht. Derweil bitten die Vereinten Nationen verzweifelt um Hilfe für die Opfer der „vergessenen Katastrophe“.

HB CHAKAN DA BAGH/TITRINOTE. Unter Protest von Separatisten haben Indien und Pakistan am Montag einen Grenzübergang in der geteilten Provinz Kaschmir für einen Hilfstransport geöffnet. Kurz danach feuerte die pakistanische Polizei Warnschüsse und Tränengas ab, um Demonstranten zu vertreiben. Diese fürchten, dass die Öffnung zur Anerkennung der Grenze führt und so ein vereintes und unabhängiges Kaschmir verhindert. International hatte die Geste dagegen Hoffnungen auf eine Annäherung der beiden verfeindeten Staaten aufkommen lassen. Sie wird aber das harte Los der Erdbeben-Opfer nur wenig lindern können. Durch die Naturkatastrophe sind mehr als 74 000 Menschen in der Region ums Leben gekommen.

Ein Lastwagen aus Indien mit Hilfsgütern fuhr im Rückwärtsgang an die Grenze zwischen Chakan da Bagh und dem pakistanischen Titrinote. Einige Männer luden die Lieferungen dann in einen Wagen aus Pakistan um. Wenig später näherten sich Demonstranten dem Übergang und riefen „Lasst Menschen passieren“ und „Was wir wollen, ist Freiheit“. „Wir wollen ein unabhängiges Kaschmir. Wir erkennen diese Grenze nicht an“, sagte Azhar Mushtaq, einer der Demonstranten. Bisher gilt sie offiziell lediglich als Waffenstillstandslinie.

Bewohner der Provinz kritisierten auch, dass sie immer noch nicht ihre Verwandten im anderen Teil der Region besuchen könnten. „Wir brauchen keinen Zucker, Mehl, Reis oder sonst irgendetwas. Wir wollen nur unsere Angehörigen sehen“, sagte Abdul Hafiz, der in einem Dorf auf der pakistanischen Seite lebt. Die Regierung in Islamabad hatte erklärt, für Familienzusammenführungen fehlten noch die notwendigen Papiere.

Auf die Hilfe für die Erdbebenopfer wird sich die Öffnung des Grenzüberganges in Titrinote kaum auswirken. Der Ort liegt in einem Gebiet, dass nicht so schwer von dem Erdbeben betroffen ist. Rettungskräfte fordern deshalb, dass auch Kontrollpunkte in von Erdrutschen abgeschnitten Regionen geöffnet werden. Indien und Pakistan haben sich ursprünglich auf die Öffnung von fünf Übergängen geeinigt, doch zuletzt erklärte die indische Regierung, am Montag werde nur einer geöffnet.

Die Wirkung der Grenzöffnung dürfte deshalb vor allem symbolisch sein. Pakistan und Indien führten um die Provinz mehrere Kriege. Das Erdbeben am 8. Oktober schien eine Annäherung zu ermöglichen, da das überforderte Pakistan auch Hilfe aus Indien akzeptierte. Das Beben forderte die meisten Opfer im pakistanischen Teil Kaschmirs. Er macht etwa ein Drittel der Region, der indische die Hälfte und der chinesische den übrigen Teil aus.

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