Katar
Der Emir versucht den Spagat

Mit Milliardeninvestitionen will der Emir von Katar, Hamad al-Thani, den Golfstaat zur „Flüssiggas-Hauptstadt der Welt" machen. Doch die wirtschaftliche Vorwärtsstrategie hat in der Innenpolitik bisher keine Entsprechung gefunden. Die Herrscherfamilie unterstützt weiterhin radikal-islamische Gruppen.

DOHA. Mit seinem Doppelkinn und dem rundlichen Bauch wirkt er nicht gerade wie ein dynamischer Visionär. Eher wie ein Hedonist, der sich mit dem Reichtum seines Landes ein Leben in Saus und Braus gönnt. Doch der äußere Eindruck täuscht. Der Emir von Katar, Hamad al-Thani, hat sportliche Ambitionen. In den nächsten fünf Jahren will er aus Katar die am schnellsten wachsende Wirtschaft der Welt machen.

Bis in die Mitte der Neunzigerjahre war die Halbinsel ein verschlafener, öder Landstrich. Der damalige Emir, Khalifa al-Thani, behielt das Geld für sich, das ihm aus den Energieeinnahmen zufloss. Von Investitionen im und für das Land wollte er nichts wissen. Doch ein Putsch setzte dem gemächlichen, verschwenderischen Leben ein Ende. Scheich Hamad Bin Chalifa al-Thani, der Sohn des Emirs, schwang sich auf den Thron, als sich sein Vater wieder einmal Ferien in der Schweiz gönnte.

Der Senior musste in Europa bleiben, der Junior übernahm die Macht. Erst kürzlich durfte der Vater nach Doha zurückkehren. Während er sich dort in erster Linie um das optimale Klima im Humidor seiner Zigarren sorgt, führt sein Sohn die kleine Nation mit den unermesslichen Energiereserven zielbewusst in die Moderne. „Wir wollen die Flüssiggas-Hauptstadt der Welt sein, wir investieren in die besten Branchen und bauen ein modernes Land auf“, verspricht der Öl- und Gasminister Katars, Scheich Abdullah bin Hamad al-Attiyah.

Scheich Abdulla ist einer der einflussreichsten Minister, der mit dem Ministaat Gewaltiges vorhat. „Wir bauen die Infrastruktur auf, sorgen für ein zeitgemäßes Erziehungssystem und kümmern uns um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung“, sagt er. Und dann fügt er stolz hinzu: „Schauen Sie sich um: Katar boomt.“ Und das Beste komme erst noch: „In Katar werden in den nächsten fünf Jahren Projekte für insgesamt 70 Mrd. Dollar umgesetzt. Wir werden in der nahen Zukunft mit Bestimmtheit sehr beschäftigt sein“, beendet er das Gespräch mit dem Handelsblatt.

Das Sozialprodukt des Landes mit seinen 200 000 Bürgern mit katarischem Pass explodiert förmlich: Betrug es 1995 noch acht Mrd. Dollar, lag es fünf Jahre später doppelt so hoch und im vergangenen Jahr bei 34 Mrd. Dollar. In sieben Jahren soll das Sozialprodukt 65 Mrd. Dollar betragen, erwartet Ibrahim Ibrahim, der ökonomische Berater des Emirs. Alles geht Ruck-Zuck: Rund 600 000 Fremdarbeiter aus Asien arbeiten in drei Schichten 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Für ein einziges Projekt wurden unlängst 10 000 Arbeiter aus Ostasien ins Land geholt. Weil kein demokratisches Abstimmungsverfahren zu beachten sei, ließen sich viele Projekte schnell verwirklichen, lobt ein deutscher Manager in Doha: „Hier kann man in drei Jahren einen Flughafen aus dem Boden stampfen.“

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