Katar-Krise
Trump und Erdogan bieten sich als Schlichter an

Die Golfstaaten befinden sich im schwerwiegendsten diplomatischen Konflikt seit dem Irakkrieg 1991. Kuwait, Ankara und die USA bieten sich als Schlichter an. Fluggesellschaften wie Etihad und Emirates droht ein Desaster.
  • 11

Istanbul/DubaiDer türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat in der diplomatischen Krise zwischen mehreren arabischen Ländern und dem Golfstaat Katar zu Zurückhaltung aufgerufen. Die Spannungen müssten rasch verringert werden, forderte Erdogan nach Angaben aus Präsidialamtskreisen vom Dienstag in Telefonaten mit den Staats- und Regierungschefs von Katar, Russland, Kuwait und Saudi-Arabien.

Der kuwaitische Emir Scheich Sabah al-Ahmad al-Sabah forderte zudem den katarischen Emir auf, Bemühungen zur Entspannung der Lage eine Chance zu geben. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur in Kuwait. In den Gesprächen sei die Bedeutung des regionalen Friedens und der Stabilität unterstrichen worden. Die gegenwärtigen Spannungen müssten durch Diplomatie und Dialog gemildert werden. Doch aus Katar kommt Widerstand.

Auch die US-Regierung hatte zuvor angekündigt, sich um Entspannung in der Region bemühen zu wollen. Präsident Donald Trump werde mit allen Beteiligten sprechen, um die Situation zu beruhigen, sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses am Montag (Ortszeit) in Washington.

Der katarische Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani sagte dem Nachrichtennetzwerk Al-Dschasira in Doha, dass sein Land all jene ablehne, die Katar ihren Willen aufzwingen oder sich in die inneren Angelegenheiten des Emirats einmischen wollten. Gleichzeitig bestätigte er, der kuwaitische Emir habe den regierenden Emir von Katar, Tamim bin Hamad al-Thani, gebeten, sich mit einer Ansprache zur Krise zurückzuhalten.

Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Numan Kurtulmus teilte indes mit, die Regierung hoffe, Erdogans Initiative helfe dabei, dass die Spannungen am Golf überwunden werden können. Es handelt sich um die schwerwiegendste politische Krise in der Region sei dem Krieg gegen den Irak 1991.

Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Ägypten hatten am Montag die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Verkehrsverbindungen über Land, Meer und Luft wurden eingestellt. Sie beschuldigen Katar unter anderem, Terrorgruppen in der Region zu fördern – Katar weist das zurück. Die jüngste Krise werde durch „absolute Erfindungen“ angeheizt. Später am Montag verlautete auch von der international anerkannten Regierung im Jemen, dass sie ihre Verbindungen zu Katar gekappt habe. Auch die Malediven und eine der rivalisierenden zwei Regierungen in Libyen entschieden, die diplomatischen Beziehungen auf Eis zu legen.

Am Dienstag verteidigten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die Entscheidung. Sie sei nach Jahren der Provokation und nach Jahren der Beratung und Geduld gefällt worden, erklärte der emiratische Außenminister Anwar Karkasch via Twitter. Es gehe um die Ablehnung einer Politik, die die Sicherheit und Stabilität der Region untergrabe. Der Konflikt könne nur gelöst werden, wenn sich die provozierende und schädigende Politik Katars ändere.

Saudi-Arabien begründete seinen Schritt mit Katars angeblicher Unterstützung der Muslimbruderschaft, Al-Kaidas sowie der Terrormiliz Islamischer Staat. Auch westliche Regierungen haben Katar vorgeworfen, sunnitische Extremisten wie den Al-Kaida-Zweig in Syrien zu dulden oder sogar zu fördern. Das Land unterstützt die Hamas im Gazastreifen.

US-Außenminister Rex Tillerson sagte, die Ansage Saudi-Arabiens und anderer Länder folge auf schon lange bestehenden Differenzen. Er rief die Konfliktparteien auf, ihren Disput zu lösen. In Katar hat das US-Militär einen Sitz auf dem Stützpunkt Al Udeid. Der Chef der entsprechenden Einheiten, Adrian Rankine-Galloway, sagte, die Armee habe „keine Pläne“ ihren Posten zu wechseln. In Katar sind 10.000 US-Truppen beheimatet, außerdem wird das Land 2022 die Fußball-WM austragen.

Wichtige Fluggesellschaften wie Etihad und Emirates kündigten an, ab Dienstag alle Flüge von und nach Doha auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Ägypten schloss den Luftraum für Flugzeuge aus Katar, was das Luftdrehkreuz Doha gefährden könnte, über das auch europäische Passagiere nach Asien fliegen. Es wird mit erheblichen Störungen im Flugplan gerechnet, vor allem bei Qatar Airways.

Die griechische Botschaft in Doha wird ab sofort die Interessen Ägyptens in Katar vertreten. Einer entsprechenden Anfrage Ägyptens habe Athen zugestimmt, sagte ein Sprecher des griechischen Außenministeriums am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Zudem wolle Athen seine traditionell guten Beziehungen zu allen arabischen Staaten nutzen, um die schweren Spannungen zwischen zahlreichen arabischen Staaten zu entschärfen und zur Stabilität in der Region beizutragen, hieß es aus dem Außenministerium weiter.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Katar-Krise: Trump und Erdogan bieten sich als Schlichter an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Herr Helmut Metz, 06.06.2017, 13:24 Uhr

    “Die Trump-Hasser-Kommentatoren mal wieder am Werk. Jetzt wollen sie ihn sogar auf eine Stufe mit Egowahn stellen.“
    „In ihrem Unterbewusstsein spüren nämlich alle Trump-Hasser (und insbesondere die aus der Politik), dass sie ihm hoffnungslos unterlegen sind.
    Was hat Trump in seinem Leben nämlich alles schon erreicht? Selbständiger wertschöpfender Unternehmer, Arbeitgeber für tausende Menschen weltweit, Erbauer großartiger Hotels und u.a. (wie in Fachliteratur gelesen) der schönsten Golfplätze weltweit.“

    Falls wirtschaftliche Unabhängigkeit bzw. „Erfolg“ für Sie die wichtigsten Kriterien bei der Beurteilung von politischer Kompetenz sein sollten, können Sie Trump (siehe u.a. https://de.wikipedia.org/wiki/Donald_Trump#Herkunft) und Erdogan (siehe u.a. https://de.wikipedia.org/wiki/Recep_Tayyip_Erdo%C4%9Fan#Herkunft.2C_Ausbildung_und_Familie) diesbezüglich durchaus vergleichen.

    Erdogan (als Sohn eines Seemanns) hat sich diese „wirtschaftliche Unabhängigkeit“ im Gegensatz zu Trump, der als Sohn eines Immobilienunternehmers auf das vorhandene Vermögen "bauen" konnte, sogar allein „erarbeitet“.

    Und was die „wertschöpfenden Verdienste“ des Unternehmers Trump angeht:

    Da wollen Sie offenbar lieber nicht so genau hinsehen, auf welche Art und Weise und auf wessen Kosten er sein Immobilienimperium aufgebaut hat und wer (und in welcher Form) außer ihm selbst wirklich alles davon profitiert hat.

  • "Trump und Erdogan bieten sich als Schlichter an"

    Erst das Haus anzünden, dann sich für den Wiederaufbau anbieten?

    Naja, die für den Neubau benötigten Wirtschaftsleistungen fallen ja auch unter "Wachstum".

  • (Fortsetzung)

    Das Problem auf einen Blick:
    https://fred.stlouisfed.org/series/GFDEBTN
    Und "Messias" Obama hat es in seiner Amtszeit von 8 Jahren geschafft, dieses Problem von 10 Billionen auf 20 Billionen USD zu verdoppeln. Damit ist er der größte Schuldenmacher in der Geschichte der Menschheit. Toller "Messias"...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%