Keine Einigung im Schuldenstreit
Argentinien vor der nächsten Staatspleite

Argentinien schlittert in die Pleite: Die Last-Minute-Verhandlungen im Schuldenstreit mit US-Hedgefonds sind gescheitert. Zuvor hatte S&P das südamerikanische Land bereits abgestuft.
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New YorkNach dem Scheitern der Verhandlungen mit zwei US-Hedgefonds über seine Schulden steht Argentinien zum zweiten Mal in 13 Jahren vor einer Staatspleite. Der argentinische Wirtschaftsminister Axel Kicillof erklärte am Mittwoch, dass die Gespräche mit NML Capital und Aurelius in New York ergebnislos geblieben seien. Zuvor hatte die US-Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit von Buenos Aires bereits als „teilweisen Zahlungsausfall“ eingestuft.

Die „Geierfonds“ hätten versucht, Argentinien „etwas Illegales“ aufzuzwingen, sagte Kicillof. Sein Land sei bereit, die Forderungen aller Gläubiger zu begleichen. „Aber unter vernünftigen Bedingungen, nicht unter erpresserischen Bedingungen“, ergänzte er. Die US-Hedgefonds hätten einen Kompromissvorschlag abgelehnt, der eine Aussetzung des Urteils vorgesehen hätte, damit Argentinien ausstehende Zinszahlungen in Höhe von 539 Millionen Dollar hätte leisten können, klagte der sichtlich entnervte Kicillof bei einer Pressekonferenz. Immer wieder bezeichnete er die Hedgefonds als „Geier“.

Buenos Aires verweigert die Zahlung

Der gerichtlich bestimmte Schlichter Daniel Pollack bestätigte, dass keine Einigung erreicht worden sei. „Die Zahlungsunfähigkeit Argentiniens steht unmittelbar bevor“, sagte er. Das werde sowohl der Wirtschaft des Landes schaden als auch unbeteiligten Anleihengläubigern.

Buenos Aires hatte bis Mittwoch um Mitternacht Zeit, 539 Millionen Dollar an Staatsschulden bei internationalen Gläubigern zu tilgen. Die argentinische Regierung hinterlegte die fällige Summe zwar bei einer US-Bank. Auf Anordnung des US-Bundesrichters Thomas Griesa muss Argentinien aber erst die beiden Hedgefonds ausbezahlen, ehe es die Forderungen der anderen Gläubiger begleichen darf.

Buenos Aires verweigert die Zahlung an NML Capital und Aurelius, die argentinische Schulden nach der Staatspleite Ende 2001 billig aufgekauft hatten und nun den Nennwert geltend machen. Mit dieser umstrittenen Strategie fahren die Fonds hohe Renditen ein. Kicillof sagte, sein Land habe in den Verhandlungen ein Angebot vorgelegt, das einen Profit von 300 Prozent bedeutet hätte. „Es wurde nicht angenommen, weil sie mehr wollten.“

Der Minister wies die Auffassung zurück, dass Argentinien zahlungsunfähig sei. „Das Geld ist da. Wenn es einen Zahlungsausfall gäbe, wäre das Geld offenkundig nicht da“, sagte er mit Blick auf die auf dem US-Konto eingefrorenen Millionen. Verantwortlich sei Richter Griesa, der eine Auszahlung an die Gläubiger verhindere.

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