Kettenreaktion
„Auf Zerfall der Euro-Zone einstellen“

Dass Politiker der deutschen Regierungskoalition mit einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone liebäugeln, löst unter Experten große Besorgnis aus. Sie fürchten um den Bestand der gesamten Währungsunion.
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BerlinDie Uhr tickt. Die Parteien in Athen können sich nicht einigen. Linksradikale fordern ein Ende des harten Sparprogramms, das die EU-Partner dem Land abverlangen. Doch die Finanzhilfen reichen nur noch bis Ende Juni. Dann braucht der Mittelmeerstaat dringend neues Geld, sonst gehen die Lichter aus. Neuwahlen wären dann die nächste Option. Doch damit wäre nicht garantiert, dass das politische Chaos in Athen ein Ende findet.

Angesichts der Unsicherheiten über den Sparkurs Griechenlands sind inzwischen Rufe aus der deutschen Regierungskoalition nach einem Austritt des Landes aus der Euro-Zone wieder lauter geworden. Doch genauso laut sind die Rufe derjenigen, die vor den Folgen eines solchen Schritts warnen. Gute Wirtschaftspolitik zeichne sich zwar dadurch aus, für die heute vorstellbaren Eventualitäten gewappnet zu sein. Dazu gehöre auch die Möglichkeit eines einzelnen Landes, aus der Währungsunion auszutreten, sagte der Freiburger Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsweise Lars Feld Handelsblatt Online.  „Allerdings hat Griechenland nicht wirklich einen Anreiz dazu, weil die Vorteile des Austritts hinter den Nachteilen zurückbleiben“, gab der Ökonom zu bedenken.

„Zudem warne ich vor der Unterschätzung, was dies für die Euro-Zone bedeuten würde“, fügte Feld hinzu. Eine direkte Ansteckung über das Bankensystem dürfte aus Felds Sicht zwar „weniger wahrscheinlich“ sein. „Allerdings transformiert der Austritt eines Landes die Währungsunion in ein Festkursystem und lädt dazu ein, auf den Austritt des nächsten Landes zu wetten.“

Unter Koalitionspolitikern wird hingegen die Ansicht vertreten, dass Griechenland sein Heil besser außerhalb des Euro-Raums suchen sollte. „Wir sollten Griechenland anbieten, die Euro-Zone geregelt zu verlassen, ohne aus der Europäischen Union auszuscheiden“, sagte der CDU-Abgeordnete und als Kritiker der Euro-Rettungspakete bekannte Klaus-Peter Willsch Handelsblatt Online. Das Dogma, dass kein Land die Währungsunion verlassen dürfe habe schon zu großen Schaden angerichtet. Die Einführung einer neuen Währung biete Griechenland mehr Chancen als ein stures Weiterverfolgen des eingeschlagenen Irrwegs, sagte Willsch.

Kommentare zu " Kettenreaktion: „Auf Zerfall der Euro-Zone einstellen“"

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  • Ich begrüsse die abwicklung des neofasschistischen EUROtopia Projekt. Die Warnungen stehen schon hier und da in den MSM. Was das heisst will und kann der Michel nicht begreifen:
    - Bankrun
    - Bankenschliessung für Tage und Wochen
    - Kollaps der Infrastruktur (Lebensmittel-, Wasser, Stromversorgung...)
    - Vernichtung weiter Teile von Vermögen der Bürger zu 100% wie Lebensversicherungen, Sparbriefe, Bar- und Sparvermögen etc.
    - Geschlossene Supermärkte, Fernsehen, Zeitung -> kein Brot und Spiele mehr
    - Nach drei Tagen Bürgerkrieg wegen Hunger, Chaos...

    Wer die Zeichen nicht sieht und sich nicht vorbereitet ist selber schuld. Selbst die MSM und die Bundesregierung warnen mittlerweile.

  • Och Mööönsch, ich hab mich schon so gefreut:
    „Auf Zerfall der Euro-Zone einstellen“
    Was für ein geiler Titel! Und dann - nix. Nur wieder das altbekannte hin und her, nix Definitives.
    Na ja, vielleicht ja demnächst. Wir haben schon Sekt kaltgestellt. Eigentlich war der für die Drachme gedacht - aber na ja, wenn es vorher schon an den ganzen €uro geht, haben wir nichts dagegen. Zum Wohle!

  • Für uns in der BRDGmbH spiel es keine große Rolle ob der Euro weiter Bestand hat oder nicht. Beim zahlen sind wir immer Weltmeister ob in Euro- DM 2 oder wie die neue Währung auch heissen mag.

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