Kinder sollen noch nicht zu Schaden gekommen sein
Rebellen bestreiten Beteiligung an Terrorakt

Am ersten Tag des neuen Schuljahres haben Terroristen im russischen Nordkaukasus eine Schule überfallen und bis zu 250 Kinder, Eltern und Lehrer in ihre Gewalt gebracht. Bei Schießereien starben am Mittwoch nach abweichenden Angaben zwei bis acht Geiseln. Kinder sind offenbar bislang nicht zu Schaden gekommen.

HB MOSKAU. Bei Schießereien starben am Mittwoch nach abweichenden Angaben zwei bis acht Geiseln. Die mit Sprengstoffgürteln und Granatwerfern bewaffneten maskierten Terroristen forderten nach ersten Berichten den Abzug der russischen Armee aus Tschetschenien und die Freilassung von Gesinnungsgenossen aus dem Gefängnis. Nach Behördenangaben hielten die Terroristen, darunter auch Frauen, am Abend noch 132 Schüler sowie eine nicht näher genannte Zahl von Eltern und Lehrer in ihrer Gewalt. Der Polizei gelang es, Verhandlungen mit den Terroristen aufzunehmen. Die 132 russischen Kinder in der Gewalt der Geiselnehmer im Nordkaukasus sind nach Angaben der Terroristen wohlauf. Keiner der Schüler sei bei dem Überfall auf die Schule in der nordossetischen Stadt Beslan verletzt worden, teilten die Terroristen nach Angaben des Einsatzstabes in der Stadt Beslan mit.

Tschetschenische Rebellen haben am Mittwochabend eine Beteiligung an dem Geiseldrama in einer Schule in Süd-Russland bestritten.

Auch mit dem Selbstmordanschlag im Moskauer Stadtzentrum am Vortag hätten sie nichts zu tun, sagte der Gesandte des Rebellen-Anführers Aslan Maschadow, Achmed Sakajew. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass einzelne Tschetschenen aus Verzweiflung über die russische Politik zu solch einer Tat getrieben worden seien.

„Keine dieser Taten ist auf irgendeine Weise sanktioniert oder gebilligt worden“, sagte Sakajew in einem Telefon-Interview in London. „Wenn sich herausstellt, dass es sich um Tschetschenen handelt und sie Forderungen im Zusammenhang mit der Situation in Tschetschenien stellen, liegt die Verantwortung im doppelten Sinne bei den Behörden“, fügte er hinzu. „Solange es keine Aussicht auf eine friedliche Lösung gibt, wird es in Tschetschenien sehr viele Menschen geben, die aus Verzweiflung zu solchen Taten getrieben werden.“

Auch auf einer Internetseite radikalerer Separatisten-Gruppen aus Tschetschenien wurde eine Beteiligung bestritten. Dort hieß es: „Es gibt keine Entschuldigungen für diese unmenschlichen Taten. Aber es gibt auch keine Entschuldigung für die 42 000 tschetschenischen Schulkinder, die durch das russische Militär unter dem Befehl des Kreml und (Präsident Wladimir) Putins persönlich getötet wurden.“

Es handelte sich um den dritten schweren Terrorakt in Russland innerhalb von acht Tagen. Russland beantragte deshalb eine Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates in New York. Erst am Dienstagabend waren bei einem Selbstmordanschlag im Norden Moskaus mindestens zehn Menschen gestorben. In der Vorwoche kamen 90 Menschen bei Anschlägen auf zwei russische Flugzeuge ums Leben.

Unter den toten Geiseln in der Stadt Beslan sind nach Behördenangaben keine Kinder. Ein Terrorist soll bei einem Schusswechsel mit Wachpersonal getötet worden sein. Der Einsatzstab dementierte eine Meldung der Agentur Itar-Tass, wonach am Nachmittag eine Gruppe von 15 Kindern das Gebäude verlassen durfte.

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