Kinder waren schon früher HIV infiziert
Gaddafi-Sohn bestätigt Unschuld der Krankenschwestern

Gut zwei Wochen nachdem die fünf bulgarischen Krankenschwestern und ein Arzt in ihre Heimat überstellt wurden, überrascht der Sohn von Libyens Staatschef Muammar Gaddafi mit einerm unglaublichen Eingeständnis: Saif al-Islam Gaddafi bestätigt nicht nur die Folter der Bulgaren sondern sogar deren Unschuld.

HB DUBAI. Der Sohn von Libyens Staatschef Muammar Gaddafi sagte, dass die Mediziner im Fall der HIV-infizierten Kinder durch Folter zu einem Geständnis gezwungen wurden. Er bestätigte in einem Donnerstag ausgestrahlten Interview des Senders Al-Dschasira: „Es wurde mit Strom gefoltert ... es gab die Drohung, ihre Familien anzugreifen.“ Zudem bestätigte er, dass die Kinder bereits vor der Ankunft der fünf Krankenschwestern und des Arztes mit dem HI-Virus infiziert wurden. „Es war ein Desaster, es war eine Tragödie, aber es geschah nicht absichtlich“, sagte Saif al-Islam über die Erkrankungen.

Die Krankenschwestern und der bulgarisch-palästinensiche Arzt waren acht Jahre lang unter dem Vorwurf festgehalten worden, hunderte libysche Kinder absichtlich mit HIV infiziert zu haben. Sie wurden zum Tode verurteilt, bevor die Strafe nach der Zahlung von 460 Millionen Dollar in lebenslange Haft umgewandelt wurde. Am 24. Juli wurden sie nach Bulgarien überstellt und dort freigelassen. Sie hatten stets ihre Unschuld beteuert und von Folter berichtet.

Die Begnadigung hatte international für einigen Wirbel gesorgt: Zu ihrer Freilassung hatten intensive Bemühungen seitens der Europäischen Union und auch von Frankreich geführt. Details über mögliche Gegenleistungen blieben unklar. Nach der Freilassung hatte Gaddafi-Sohn Saif al-Islam ausgeplauert, dass Frankreich der Armee des Landes Panzerabwehr-Raketen vom Typ „Milan“ aus dem Hause EADS liefern wolle. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy geriet in der Folge wegen vermuteter Geheimabsprachen mit Libyen immer weiter unter Druck.

Gaddafis Sohn Seif al-Islam sprach bereits in der vergangenen Woche in einem Interview klare Worte: „Wir haben schon lange mit den Franzosen verhandelt und Sarkozy gebeten, die Dinge zu beschleunigen. Da die Angelegenheit mit den Krankenschwestern nun geregelt ist, ist es eine gute Gelegenheit.“

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