Kleine Firmen stehen im Fokus
Sanierungsbehörde in Japan spielt auf Zeit

Mit großen Zielen war sie im vergangenen Mai von der japanischen Regierung ins Leben gerufen geworden, die Industrial Revitalization Corp. (IRC). Vorgestellt wurde das öffentliche Institut als Intensivstation für überschuldete Unternehmen.

TOKIO. Dessen Aufgabe, so hieß es, sei nichts weniger, als der Erodierung der industriellen Basis in Japan endlich Einhalt zu gebieten. Damit würden auch die seit langem kränkelnden japanischen Banken von notleidenden Krediten befreit.

Erreicht werden soll dieses Ziel, indem Firmen, die zwar unter finanziellen Problemen leiden, aber als langfristig wettbewerbsfähig gelten, mit öffentlichen Geldern wieder auf die Beine gebracht werden. Die Organisation, deren Lebenszeit gesetzlich auf fünf Jahre befristet ist, hat sich fast vier Monate Zeit gelassen, um die ersten Sanierungsfälle zu bestimmen.

Am Donnerstagabend ist nun eine Gruppe von zunächst drei Firmen genannt worden. Große Namen finden sich darunter jedoch keine. So zählen weder die Elektronikriesen Fujitsu oder NEC noch der seit Jahren vom Untergang bedrohte Einzelhandelskonzern Daiei – wie dies in Tokios Finanzwelt noch vor wenigen Monaten wild spekuliert worden war – zu den ersten Testfällen.

Als Versuchsobjekte für das industriepolitische Experiment hat sich die IRC zunächst vielmehr vergleichsweise unbekannte Unternehmen ausgesucht. Nur eine der drei am Donnerstag bekannt gegebenen Firmen ist überhaupt börsennotiert, nämlich die im Wohnungsbau tätige Dia Kensetsu. Die beiden übrigen Unternehmen, das Busunternehmen Kyushu Industrial Transportation und das Kaufhaus Usui haben allenfalls regionale Bedeutung.

Das im Gesetz vorgeschriebene Prozedere sieht vor, dass die IRC von den Banken einen Teil der ausstehenden Schulden des Sanierungsunternehmens übernimmt, und zwar zu Marktpreisen. Zusammen mit der Hausbank, deren Forderungen grundsätzlich nicht aufgekauft werden, macht sich die IRC dann in der Folge an die Restrukturierungsmaßnahmen, die zur Rückgewinnung der Profitabilität notwendig sind. Der IRC steht für diese Aufgabe als Sicherheit öffentliches Risikokapital im Umfang von 10 Bill. Yen zur Verfügung. Zu den besonders heiklen Herausforderungen gehört laut Vertretern der staatlichen Sanierungsbehörde, dass bei der Restrukturierung japanischer Unternehmen nicht selten die Interessen von bis zu zehn verschiedenen Banken berücksichtigt werden müssen.

Die insgesamt eher kleinen Firmen auf der IRC-Liste stehen in krassem Gegensatz zur lauten Aufgeregtheit, die in den vergangenen Monaten der Veröffentlichung der ersten Kandidaten vorausgegangen war. Dabei gilt es aber zu berücksichtigen, dass sich im Geschäft mit der Sanierung japanischer Unternehmen immer mehr private – und teilweise ausländische – Investmentfonds tummeln. Und die verfügen über weit flexiblere Entstehungsmechanismen als die staatliche IRC.

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