Klimakonferenz 2012
Kyoto-Protokoll nach zähem Ringen verlängert

Die UN-Mitglieder haben das Kyoto-Protokoll bis 2020 verlängert. Eine Einigung stand lange auf der Kippe – weil Russland und die Ukraine lockerere Auflagen für den Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten forderten.
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DohaDas Kyoto-Protokoll wird bis Ende 2020 verlängert. Das hat die katarische Präsidentschaft der UN-Klimakonferenz in Doha am Samstag durchgesetzt. Nach zähem Ringen entschied Abdullah bin Hamad Al-Attiyah quasi im Alleingang, dass das neue Gerüst, das aber keine schärferen Verpflichtungen vorsieht, ab 2013 gelten soll.

Zuvor hatten erst Polen und dann Russland und die Ukraine die Verlängerung des bisher einzigen internationalen Abkommens mit verpflichtenden Vorgaben für eine Minderung klimaschädlicher C02-Emissionen blockiert. Nach Wiedereinberufung des Plenums ließ al-Attiyah binnen Minuten zu allen den 194 Staaten zur Abstimmung vorliegenden Fragen den Hammer fallen.

Neben den 27-EU-Staaten machen rund zehn weitere Länder bei Kyoto II mit. Ein Weltklimavertrag, bei dem sich alle Länder verpflichten sollen, ist erst ab 2020 geplant. Zwar beteiligen sich an Kyoto II nur noch Länder, die 15 Prozent der Emissionen ausmachen. Dennoch gilt die Fortsetzung des bisher einzigen bindenden Klimaschutzabkommens als wichtiges Symbol, damit andere Länder sich tatsächlich in einen Weltklimavertrag einbinden lassen.

Viele andere Staaten wollen bis 2020 freiwillig Emissionen mindern - aber meist auf niedrigem Niveau. Wichtige Länder wie Kanada und Japan machen bei dem verlängerten Kyoto-Protokoll, das ab 2013 gelten soll, nicht mehr mit. Damit Kyoto II nicht nur eine Festschreibung des Status Quo wird, soll es 2014 eine Überprüfung geben, bei der Länder ihre Ziele hochschrauben können. Für die EU wäre das der Moment, sich zu einer Reduktion von 30 Prozent CO2 im Vergleich zu 1990 zu verpflichten. Bisher sind es 20 Prozent.

Daher wurde das Plenum der 194 Staaten am Samstagnachmittag erneut unterbrochen – Ende offen. Wesentliche andere Streitpunkte, etwa fehlende feste Zusagen von Milliardenhilfen der Industriestaaten für besonders vom Klimawandel betroffenen Staaten, waren ebenfalls noch ungelöst. Eigentlich sollte der Klimagipfel bereits am Freitag zu Ende gehen.

Klimaschützer haben das im Eilverfahren durchgepeitschte Paket von Doha stark kritisiert. „Dieses Ende der Konferenz ist ein Alarmsignal dafür, dass dieser Prozess völlig neu aufgestellt werden muss, um das zu liefern, was aus Sicht der Wissenschaftler nötig ist“, sagte Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser am Samstag.

Das Problem der überschüssigen Emissionsgutschriften sei keineswegs gelöst. „Beim Kyoto-Prozess ist der Handel mit ihnen nun weitgehend begrenzt“, sagte Kaiser. Für die Zeit nach 2020 seien sie jedoch nicht aus dem Verkehr gezogen.

 
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Klimakonferenz 2012: Kyoto-Protokoll nach zähem Ringen verlängert"

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  • Ich glaube nicht, daß das Handelsblatt-Forum ein Deklamationsort für Verschwörungstheoretiker und schwachmathische Klimaleugner sein sollte.

    Die hier im Forum schwafelnden Abwiegler und Leugner des anthropogenen Einflusses auf das Klima sollten sich doch einfach fachlich ein wenig schlau machen und sich mit Ihren "Argumenten" erstmal testhalber ihrem privaten Umfeld (falls Sie da ein paar diskussionswillige Fachleute auftreiben können....) stellen.

    Dieses Ins-Unreine-Posten von als Pseudoenthüllungen maskiertem Bullshit geht einem jedenfalls gehörig auf den Keks..... :-(

  • @ hasstnicht
    Ihre besänftigenden Zeilen wollen nicht wirken. Zu Ihrem Vergleich mit den Nächten erinnere ich mich an durch Wolken blockierte Thermik, die das Auskühlen der Erdoberfläche verhindert. Soll das mit der Strahlungsbilanz der Erde zu tun haben? Wohl eher nicht.
    Hier im Forum schreibt ein Filzbrillenoptiker von einem schwarzen Strahler. Dabei kommen mir Gedanken, wie bei der Schlagzeile „Hubble entdeckt weißes Loch“, theoretisch denkbar – praktisch unmöglich. Was taugt aber eine Theorie, die auf unmöglichem aufbaut, und was die Antithese, die dasselbe unmögliche Argument benutzt. Kann man also von einem schwarzen Strahler sprechen und gleichzeitig erwarten ernst genommen zu werden?
    Zur Beantwortung Ihrer Frage, warum bei innerer Zufuhr von Wärme nur 22% ins All abgestrahlt werden, lässt sich meines Wissens auch die Optik heranziehen. Die Atmosphäre ist, wenn man Arbeiten zur Strahlungsbilanz heranzieht, in Frequenzbändern durchlässig, während die anderen Frequenzen reflektiert bzw. absorbiert werden. Demnach kann nur der durchlässige Strahlungsanteil ins All entweichen. Die Atmosphäre wirkt quasi wie ein Sieb, alles was nicht durchpasst bleibt drin. Das Gleichgewicht dürfte sich durch eine Ausdehnung der Atmosphäre und eine veränderte Zusammensetzung einstellen. Das Gleichgewicht äußerer Einstrahlung verstehe ich so, dass die Strahlung, die von innen nicht entweicht, bei natürlicher Zusammensetzung der Atmosphäre auch nicht von außen eindringen kann.
    Wenn es also für ausgemacht gilt, dass Abwärme keine Rolle spielt, stellt sich, um Ihren Standpunkt aufzugreifen, die Frage: Ist das so? Bei Ihrer Frage wem das nutzt, schlage ich als Antwort vor: Uns und unseren Kindern, schließlich sollen die Lebensumstände antreffen, mit denen sie für sich selbst und für uns sorgen können. Es wird immer von Wohlstand gesprochen. Ist uns aber wohl bei dem Gedanken, einfach stehen zu bleiben? Wohlstand ist doch viel mehr zum Überlebensdrang verkommen.

  • Interessenverflechtungen und Widersprüchlichkeiten dürften wir auf allen Seiten finden, das mahnt zur kritischen Umsicht. Kotzen hilft da sicher schon ein Stück weiter; anschließend kann man mal schauen, wie man weiterkommt...
    Ich will nicht so tun, als hätte ich sämtliche Forschung der letzten zwanzig Jahre gelesen, aber ein schrittweises Handeln nach dem aktuellen Wissensstand dürfte angemessen sein. Paranoia gegenüber den vermeintlich nur zur Weltherrschaft strebenden Öko-Schauspielern als primär handlungsleitende Maxime hat mit dem Thema nichts zu tun.
    Der ökonomische Ansatz, Sekundärschäden in den Ressourcenverbrauch einzupreisen, scheint mir am wirksamsten, kosteneffizientesten und wenigsten Ideologie-behaftet. Die Ängste davor dürften geringer werden, wenn die technologischen Alternativen weiterentwickelt und dadurch preiswerter werden. Daß auch die nachhaltigeren Firmen finanzielle Interessen verfolgen und nicht per se moralisch sind, verweist auf meinen ersten Satz.
    Was Anpassungsmaßnahmen angeht, schätze ich, ländliche Entwicklung in der Dritten Welt (mit z.B. Wasserspeichern) dürfte für viele Leute der nächsten Generation einen Schutzfaktor darstellen, und eine Förderung der Frauenrechte trägt stark zum Rückgang der Geburtenrate, zur Vermögens- und Wissensbildung und damit zur Anpassungsfähigkeit bei (wir Männer haben dafür andere Qualitäten...).
    Eine CO2- und Methanreduktion rechnet sich langfristig m.W. auch bei Teilerfolgen, ob man nun das menschliche Leid, den Verlust an Ökosystemen oder die finanziellen Kosten in Form von Umsiedlungen und Ernteverlusten heranzieht. Allerdings läßt sich dies in unsere Gegenwart schwer einpreisen.

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