Klitschko über Janukowitsch
„Er verrät sein Land, um sich zu bereichern“

Die Ukraine und Russland sind näher zusammen gerückt. Das schürt die Wut der proeuropäischen Demonstranten in Kiew. Oppositionspolitiker Vitali Klitschko nannte Präsident Viktor Janukowitsch einen Diktator und Verräter.
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Berlin/KiewDer ukrainische Oppositionspolitiker Vitali Klitschko hat Präsident Viktor Janukowitsch persönliche Bereicherung vorgeworfen. Er verrate sein Land für billigeres Gas und billigere Kredite, schrieb Klitschko in einem Beitrag für die „Bild“-Zeitung mit Blick auf russische Finanzhilfen.

„Er verrät sein Land, das seit Wochen für Europa demonstriert und kein Abkommen mit Russland will. Er verrät sein Land, um sich selbst zu bereichern und als Diktator an der Macht zu bleiben“, warf Klitschko Janukowitsch laut Vorabbericht vor.

Zuvor hatten Beschlüsse über eine engere Zusammenarbeit der Ukraine mit Russland neue Proteste ausgelöst. Janukowitsch hatte in Moskau von Präsident Wladimir Putin die Zusage für Milliarden-Hilfen und Rabatte auf Gaslieferungen erhalten.

Klitschko rief zu weiteren Demonstrationen auf: „Wir Ukrainer müssen jetzt erst recht die Massen mobilisieren, um den Präsidenten endlich zum Rücktritt zu zwingen.“ Die Opposition warf Janukowitsch den Ausverkauf des Landes vor. Der Staatschef habe die Ex-Sowjetrepublik als Pfand an Russlands Präsident Wladimir Putin verhökert, sagte der Oppositionspolitiker Klitschko am Vortag bei Massenprotesten in Kiew.

Putin hatte Janukowitsch in Moskau einen Kredit über 15 Milliarden US-Dollar (10,9 Milliarden Euro) sowie um ein Drittel günstigere Gaspreise zugesichert. Mit der Vereinbarung will Russland nach Ansicht von Experten den politisch angeschlagenen Janukowitsch nach wochenlangen Dauerprotesten seiner Gegner stützen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte angesichts des Streits zwischen Europäischer Union und Russland um die Ukraine zum Dialog. „Ich glaube, ein Bieterwettbewerb wird das Problem nicht lösen“, sagte sie am Dienstagabend in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“. „Ich möchte, dass eine unabhängige Ukraine ihre Entscheidungen selbst fällen kann“, sagte die Kanzlerin. Das setze aber auch in Kiew Reformbereitschaft voraus.

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Russland-Deals kein Hindernis für EU

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  • „Er verrät sein Land, um sich zu bereichern“

    Kann Klitschko seine Anhänger mit diesen Sprüchen überzeugen?

    Wenn ja, dann weiß man wessen Geistes Kinder diese Anhänger sind. Auf diese können wir in der EU gerne verzichten, da wir hier schon zu viele davon haben.

    Wie verrät man sein Land, wenn man als Ergebnis 40 % weniger für Gas bezahlen muss, Milliardenkredite erhält, die militärische Zusammenarbeit verbessert wird?

    Verrät man nicht eher sein Land, wenn man z. B. im Ausland sein Geld verdient, im eigenen Land aber keine Steuern zahlt?

  • Kritiker werfen Putin vor, mit einer von Moskau angeführten Zollunion eine Konkurrenz zur EU nach dem Vorbild der früheren Sowjetunion aufzubauen.
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    Konkurrenz zur EU(dSSR) ? Wohl eher nicht !
    Soviel "Demokratie" wie in der EU dürfte in der Zollunion auch möglich sein.
    Eine eurasische Zollunion mit großen Rohstoffreserven kann sehr erfolgreich sein, wenn die Fehler der EU vermieden werden und könnte auch ein "Magnet" für EU-Mitglieder werden.
    Eine Zollunion vom Atlantik bis zum Pazifik ist nicht unmöglich.
    Allerdings hat diese Zollunion auch eine militärische Komponente; denn ihre Mitglieder werden nicht der NATO angehören.
    Das dürfte jenseits des Atlantiks nicht gern gesehen werden.
    Herrn Klitschko mit anderen Oppositionellen scheint die Situation zu überfordern.
    Es genügt doch nur ein einfacher Vergleich, um festzustellen, wo die Ukraine z.Zt. besser aufgehoben ist.
    Welche Vorteile bietet das EU-Assoziierungsabkommen ?
    Welche Vorteile bietet die Zollunion ?
    Einen Vorschuss auf eine Mitgliedschaft in der Zollunion hat die Ukraine gerade bekommen.
    Einen Kredit über ca. 10 Milliarden EURO und einen günstigen Gaspreis, welcher die Gasrechnung der Ukraine jährlich um bis zu 10 Milliarden EURO ermäßigen dürfte.
    Die von der EU angebotenen 610 Millionen EURO Hilfen unter Beteiligung des IWF, die geforderte Haftentlassung der korrupten Gasprinzessin und unzureichende Exportquoten für die Ukraine etc.etc. sind da eher als unbedeutend zu vernachlässigen.
    Im übrigen sind auch weiterhin Verhandlungen mit der EU möglich, wobei allerdings nicht "vergessen" werden sollte, die Russen mit zum Verhandlungstisch zu bitten.

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