Klonverbot von Nutztieren
Der Kampf gegen die Kopie

Das Europaparlament treibt ein umfassendes Klonverbot von Nutztieren voran, auch die Verbraucher wollen kein Klonfleisch auf ihren Tellern. Kann das Rad jedoch nochmal zurückgedreht werden?

BrüsselDas Europaparlament hat dem Klonen von Tieren für die Zukunft eine klare Absage erteilt und damit einen Vorschlag der EU-Kommission verschärft. Die Abgeordneten stimmten mit großer Mehrheit für einen Gesetzesvorschlag, der nicht nur ein unbefristetes Verbot des Klonens von Nutztieren in der EU vorsieht. Er untersagt auch die Einfuhr von Zuchtmaterial, wie Eizellen oder Samen, von Klontier-Nachkommen und von Lebensmitteln aus Klontieren. Zudem soll er alle Nutztiere erfassen und nicht nur eine Auswahl. Kritiker hatten befürchtet, dass künftig beispielsweise der Verkauf von Milch, Käse oder Eiern, die von Nachkommen geklonter Tiere stammen, ohne gesonderten Hinweis erlaubt sein könnten.

Unter Klonen versteht man Lebewesen, die als genetisch identische Kopien natürlicher Lebewesen im Labor gezeugt und von Leihmuttertieren ausgetragen werden. So könnten besonders leistungsfähige Milchkühe oder schnell wachsende Schlachtsauen gleichsam in Serie hergestellt werden. Derzeit dürfen Lebensmittel von geklonten Tieren in den Verkehr gebracht werden, wenn sie behördlich geprüft und mit einer Sicherheitsbewertung zugelassen worden sind.

Umfragen zufolge sieht eine Mehrheit der europäischen Verbraucher das Klonen skeptisch und will keine entsprechenden Lebensmittel kaufen. Zudem befürchten rund drei Viertel der Bürgerinnen und Bürger, dass das Klonen von Tieren langfristig den Weg für die Anwendung dieser Technik am Menschen bereitet. „Diese Sorge ist berechtigt, denn die Erfahrung zeigt, dass alle Vermehrungstechniken, die für die Nutztierproduktion entwickelt wurden, letztendlich auch beim Menschen eingesetzt wurden“, warnt die Berichterstatterin des Europaparlaments, Renate Sommer (CDU): „Nur eine gesetzliche Regelung kann verhindern, dass Fleisch von geklonten Tieren auf unseren Tellern landet.“

Geht es nach dem Parlament, kommt die künftige Regulierung nicht als Richtlinie, an der sich die Mitgliedstaaten bei ihrer eigenen Gesetzgebung orientieren müssen, sondern als unmittelbar in allen Staaten umzusetzende Verordnung.

Nun müssen die nationalen Regierungen ihre Stellungnahme zu dem Gesetzesvorschlag abgeben. „Allen voran muss sich die Bundesregierung für eine Kennzeichnung von Produkten aus Nachkommen geklonter Tiere stark machen“, fordert der agrarpolitische Sprecher der Europa-Grünen, Martin Häusling. Der Ministerrat wird sich voraussichtlich im Oktober mit dem Thema befassen. EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis verteidigte die Vorschläge der Brüsseler Behörde. Vor allem die vom Parlament geforderte Nachverfolgbarkeit von Klonen erfordere einen hohen bürokratischen Aufwand und treibe die Lebensmittelpreise in die Höhe. Damit ein Klonverbot verabschiedet werden kann, müssen sich Parlament und Rat auf eine Position einigen. Europaparlamentarier rechnen mit langwierigen Verhandlungen.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent
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