Koalition der (Un)willigen – Teil I
Grünes Licht für britische Bomber

Trotz Kriegsmüdigkeit – Cameron verpflichtet Großbritannien für den Kampfeinsatz gegen IS. Das Desaster beim letzten Irak-Krieg hat auf der Insel deutliche Spuren hinterlassen. Teil I der Serie zur neuen Kriegskoalition.
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LondonSechs britische Tornado GR4 Kampfflugzeuge standen am Freitag am zypriotischen Royal Airforce Stützpunkt Akrotiri bereit, um in den Luftkampf gegen IS im Irak einzugreifen. Die Piloten warteten lediglich auf grünes Licht von Premier David Cameron nach einer ganztägigen Dringlichkeitsdebatte im Unterhaus. „Es ist eine rein politische Entscheidung. Wir stehen seit Wochen bereit“, hieß es in Militärkreisen.

Premierminister David Cameron warnte die Briten bei seiner Rede: „Wir müssen uns auf einen Einsatz einstellen, der nicht Monate, sondern Jahre dauert.“ Großbritannien könne seine Verantwortung, das britische Volk zu schützen, nicht anderen Ländern überlassen. „Ob wir es mögen oder nicht, IS hat uns längst den Krieg erklärt. Eine Option, dem den Rücken zu kehren, gibt es nicht.“

Ziel der Aktionen sei es, den Vormarsch der „Psychopathen Gruppe IS“ einzudämmen, sie auszuschalten und den Raum für politische Lösungen zu schaffen. IS bedrohe nicht nur die Völker in der Region, sondern habe bereits eine belgische Synagoge angegriffen, unschuldige amerikanische und britische Geisel hingerichtet und sechs Terroranschläge in Europa seien nur durch die Aufmerksamkeit der Geheimdienste durchkreuzt worden.

Flugzeuge der Royal Airforce sind von der britischen Basis seit Wochen bei Aufklärungsflügen im Einsatz, im August wurden von in Zypern stationierten C-130 Transportern Hilfsgüter für IS-Flüchtlinge abgeworfen. Die von den USA geführte Anti-IS Koalition wird auch von einem RC-135 Rivet Joint Aufklärungsflugzeug unterstützt, das von der Al Udeid Air Base in Katar aus IS-Kommunikationen abhört. Von diesem von Amerikanern, Australiern und Briten gemeinsam benutzten Luftwaffenstützpunkt aus wird der Einsatz durch die integrierte amerikanische Befehlszentrale US Central Command geleitet.

Trotz der akuten Bedrohung durch IS und diesen Aktivitäten ließ sich eine britische Regierung aber noch nie so zögerlich und mit so viel politischem Taktieren in den Kampf tragen. Über der Debatte stand wie ein Motto dieser Satz Camerons: „Dies ist nicht 2003. Wir dürfen die Fehler der Vergangenheit nicht als Vorwand für Gleichgültigkeit oder Tatenlosigkeit nehmen.”

Die Briten sind nach über zwei Jahrzehnten praktisch unablässiger Militäraktionen im Ausland – vom ersten Irakkrieg 1990 über Bosnien, Sierra Leone und die opferreichen und letztlich gescheiterten Interventionen nach dem 11. September im Irak und Afghanistan kriegsmüde – und das war in der Debatte am Freitag zu spüren.

Seit Wochen bereitet Premier Cameron den Boden für die Entscheidung – rechtlich und politisch. Er ist ein gebranntes Kind, seit er vor einem Jahr die Abstimmung über Luftangriffe gegen Präsident Assad in Syrien verlor – es war das erste Mal, dass ein britischer Premier vom Unterhaus vor einem Militäreinsatz zurückgepfiffen wurde. Dies setzte damals Fragezeichen über die fast bedingungslose Bündnistreue der Briten in Waffengängen mit den USA.

Kommentare zu " Koalition der (Un)willigen – Teil I: Grünes Licht für britische Bomber"

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  • Herr Müller, die Meinung teile ich mit ihnen.

    Die Redewendungen finde ich immer so was von martialisch wie z.B.: Premierminister David Cameron warnte die Briten bei seiner Rede: „Wir müssen uns auf einen Einsatz einstellen, der nicht Monate, sondern Jahre dauert.“

    Da wird sich aber die Waffenindustrie freuen.

    Erst baut man die IS in Syrien auf und nun merkt man, dass die gar nicht die Ziele erreichen wollen die man sich von ihnen erhofft hat. Also macht man es wie in Afghanistan mit den Taliban.
    Da denke ich schon, dass es wohl Jahre dauern kann.
    Etwas zäh sind sie schon diese Brüder.
    In den Jahren die es dauern wird, wird man Syrien zu Tode geboomt haben und das Ziel möglichst viele Moslems oder Araber umgriffen ist auch erreicht.
    Es wird wohl nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten v. Amerika gehen. Und da hieß es doch.: "Nur ein Toter Indianer ist ein guter Indianer." Ergo, "Nur ein Toter Araber/Moslem, ist ein guter Araber/Moslem.
    Feldzüge ohne Ende werden folgen müssen.

  • "...unschuldige amerikanische ... Geisel hingerichtet..."
    Und das waren wirklich keine Mitarbeiter des Geheimdienstes, die im Land "tätig" waren?

    "...sechs Terroranschläge in Europa seien nur durch die Aufmerksamkeit der Geheimdienste durchkreuzt worden..."
    Die gleichen Geheimdienste sollen bis gestern angebliche 30000 Kämpfer nicht gesehen haben?

    Unglaubwürdig. Alles ziemlich unglaubwürdig.

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