Kolumbien
Chávez startet Befreiungsaktion

Drei Geiseln der FARC-Guerilla in Kolumbien hoffen auf baldige Befreiung. Venezuelas Staatschef Hugo Chávez setzt sich für ihre Freilassung ein. Die Aktion ist jetzt gestartet – mit viel Medienrummel.

HB BOGOTÁ/CARACAS. Vertreter aus sechs Ländern sowie des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) trafen am späten Freitag Abend (Ortszeit) aus Venezuela kommend mit Hubschraubern in der kolumbianischen Stadt Villavicencio etwa 90 Kilometer südöstlich von Bogotá ein. Von dort aus wollen sie am Samstag zu einem vor der Öffentlichkeit geheim gehaltenen Treffpunkt im Urwald weiterfliegen. „Wir können schon morgen die Geiseln in Empfang nehmen, aber das hängt von vielen Faktoren und vor allem vom Wetter ab“, erklärte die IKRK-Delegationschefin in Kolumbien, Barbara Hintermann. Auch der Friedensbeauftragte der kolumbianischen Regierung, Luis Carlos Restrepo, sagte, dass die Freilassung wohl am Samstag über die Bühne gehen werde. Restrepo dementierte kolumbianische Medienberichte, wonach Bogotá eine Frist für das Ende der Aktion bis Sonntagabend gesetzt habe.

Mit dem Abflug der beiden Hubschrauber – markiert mit den Insignien des Roten Kreuzes und der venezolanischen Flagge – seien große Hoffnungen verknüpft, sagte Chávez bei deren Start von einem Flugplatz in Santo Domingo im Westen Venezuelas. Ebenfalls anwesend waren der US-Filmregisseur Oliver Stone und eine Gruppe internationaler Beobachter.

Unter den sogenannten „Garanten“, die vor Ort den Erfolg der Aktion sichern wollen, sind der frühere argentinische Staatschef Néstor Kirchner, der argentinische Außenminister Jorge Taiana, der Berater der brasilianischen Regierung für internationale Angelegenheiten, Marco García sowie Frankreichs Botschafter in Caracas, Hadelin de la Tour du Pin. Auch fünf IKRK-Delegierte sowie Vertreter Kubas, Ecuadors und Boliviens nehmen an der Aktion teil. Der international umstrittene Linksnationalist Chávez will die drei Geiseln spätestens bis Sonntag in Caracas empfangen. In Venezuelas Hauptstadt warten inzwischen auch die Angehörigen der Geiseln. Chávez nimmt an der Aktion in Kolumbien nicht selbst teil. Er entsandte Ex-Innenminister Ramón Rodríguez Chacín.

Die Regierung von Kolumbien hatte am Mittwoch den Chávez-Plan gebilligt, obwohl die Beziehungen zwischen beiden Regierungen sehr gespannt sind. Die linksgerichteten Rebellen der „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (FARC) wollen die Wahlkampfchefin der vor sechs Jahren ebenfalls verschleppten damaligen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, Clara Rojas, auf freien Fuß setzen. Freikommen sollen auch Rojas dreijähriger Sohn Emmanuel, der während der Gefangenschaft mit einem Guerillero gezeugt wurde, sowie die ehemalige Abgeordnete Consuelo González.

Kolumbiens konservativer Präsident Alvaro Uribe hatte Chávez erst vor fünf Wochen das Mandat für Bemühungen um die Freilassung von Geiseln der FARC entzogen. Die Rebellen teilten jedoch wenig später mit, sie wollten aus Solidarität zu Chávez die drei Geiseln freilassen. Die Beziehungen zwischen Chávez und Uribe bleiben gespannt. Wenn ihm nicht das Mandat entzogen worden wäre, wären inzwischen viele Geiseln freigekommen, versicherte Chávez.

Chávez äußerte die Hoffnung, dass er zu einem späteren Zeitpunkt auch die Freilassung von Betancourt werde erreichen können. Die Grünen-Politikerin hat auch einen französischen Pass. In den vergangenen Tagen erklärten die linksgerichteten Rebellen, sie seien bereit, bis zu 50 Geiseln freizulassen, darunter neben Betancourt auch drei US-Bürger sowie mehrere Politiker und Militärs. Im Gegenzug müssten aber 500 hinter Gittern sitzende Guerilleros auf freien Fuß gesetzt werden.

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