Kommentar
Griechenlands Austritt wäre bitter - aber verkraftbar

Die Euro-Zone kann ohne Griechenland weiterleben. Einige Kollateralschäden müsste die Währungsunion doch verkraften. Für die privaten und staatlichen Gläubiger wird es teuer - und für Italien und Portugal wird es eng.
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Griechenland repräsentiert nur einen winzigen Bruchteil des europäischen Bruttoinlandsprodukts. Ein Austritt des Landes wird Wirtschaft und Währung Europas daher sicher nicht in ihren Grundfesten erschüttern.

Einige Kollateralschäden müsste die Währungsunion allerdings verkraften: Die privaten und staatlichen Gläubiger Griechenlands könnten ihre Forderungen an das Land wahrscheinlich endgültig abschreiben. Denn mit dem Austritt würde Hellas sofort zahlungsunfähig.

Wenn das Land die Drachme wieder einführt, wären eine drastische Abwertung und Inflation die sichere Folge. Einen großen Teil der Schulden kann Hellas dann wohl überhaupt nicht mehr zurückbezahlen. Für die europäischen Banken ist der beim letzten Euro-Gipfel vereinbarte Schuldenschnitt um 50 Prozent im Vergleich dazu noch ein gutes Geschäft. Deutschland und die anderen Euro-Staaten müssten sich zudem damit abfinden, dass ein großer Teil der bereits ausgezahlten Kredite an Griechenland verloren sind.

Ein griechischer Ausstieg birgt für die Euro-Zone ein weiteres großes Risiko: Die Ansteckungsgefahr. Die Gläubiger Portugals könnten auf die Idee kommen, dass die Regierung in Lissabon irgendwann auch Abschied von Sparkurs und Euro-Zone nimmt. Für die Regierung in Lissabon würde es dann noch viel schwerer, Vertrauen an den Finanzmärkten zurückzugewinnen.

Noch heikler ist der Fall Italien. Die Regierung in Rom muss den internationalen Investoren nach einem griechischen Austritt noch schneller und dringender beweisen, dass sie Reformen und Haushaltskonsolidierung ernsthaft in Angriff nehmen will. Einen Ministerpräsidenten Berlusconi kann das kaum noch gelingen. Der Mann hat seinen Vertrauensvorschuss an den Märkten endgültig verspielt. Italien braucht daher dringend einen Regierungswechsel.

Die Euro-Zone darf zudem nicht den Fehler machen, Griechenland nach einem Austritt völlig abzuschreiben. Das Land muss wenn irgend möglich Mitglied der EU bleiben - auch wenn der EU-Vertrag von Lissabon das rechtlich eigentlich gar nicht zulässt. Wenn sich die Europäer nicht mehr um die Griechen kümmern, dann entstünde womöglich ein zweites Somalia in der Ägäis. Das kann kein Europäer wollen.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

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  • Es sind nicht nur die griechischen Politiker, die lügen!
    Während der letzten Jahre habe im Grunde alle Politiker gelogen, auch die deutschen. Auch die Mär von der Erschleichung durch manipulierte Zahlen geht an der Wirklichkeit vorbei. Alle europäischen Staaten wußten um die wahre Lage des griechischen Staatshaushaltes. Nur wollte man Griechenland unbedingt in der Eurozone haben, daher mußte man den Schein wahren.

    Und zu dem Argument, daß in ein paar Jahren die Eurozone pleite wäre, wenn wir Eurobonds hätten. Japan beispielsweise hat eine deutlich höhere Staatsverschuldung als Griechenland. Trotzdem erhält Japan äußerst günstige Zinsen für Kredite. Ähnliches haben wir bei den USA.

    Und wenn schon ein Staat die Eurozone verlassen sollte, dann vor allem Deutschland. Es ist das einzige Land, das ganz bewußt die Stabilitätskriterien durch Deflation und Lohndumping untergräbt. Deutschland macht seine Exportgewinne auf Kosten seiner Nachbarn. Diese können sich wegen der gemeinsamen Währung aber nicht wirkungsvoll zu Wehr setzen und werden so in die Schuldenfalle getrieben. Genau genommen sind wir die europäischen Schmarotzer, nicht etwa die Griechen, Portugiesen, Spanier, Irländer oder Italiener. Deutschland ist das Krebsgeschwür in der EU, wir ziehen die Kapitalflüsse zu uns und geben wenig zurück!

  • @gerhardq, deine Ansicht bezüglich Spekulanten ist völlig falsch. Man kann nicht seine Haustür immer offen lassen, und dann wenn etwas weg ist, sind die Diebe schuld.Die Hauptschuldigen sind die griechischen Politiker, die ständig lügen, die Europäische Politiker, die durch Ideologie der Euroromantik, die Probleme und Lügen ausgeblendet haben, und die EZB, die gerade die Banken motiviert hatte griechische Anleihen zu kaufen. Die EZB akzeptierte diese Anleihen als Sicherung für Kredite an den Geschäftsbanken. Ich rede hier von 2009. Es war eindeutig von Politik und EZB gewollt, dass die Banken die Gr.Anleihen kaufen. Man muss faire Weise sagen, dass hier die Banken nicht nur aus Gier gehandelt hatten. Man bekommt einen besseren Durchblick, wenn man politisch gewollten Maßnahmen genauer betrachtet. Auf die Spekulanten zu schimpfen, ist genauso ungerecht. Wenn die Leichen der Toten rumliegen, sind die Geier als Umweltpolizei sogar sehr wichtig, sonst verbreiten die Leichen die Krankheiten. Die kronische Krankheit ist hier: Unendlich und unbegrenzt an GR zahlen.

  • Wäre es gut wenn Kalifornien darüber abtimmet ob es in den USA verbleiben will oder nicht ?
    Eines wird deutlich . Wir brauchen eine gemeinsame Wirtschaftsregierung in Europa . Sonst ist diese Union auf dauer nicht schwer zu halten .
    Das alles kam weil die deutsche Regierungspartei , Eurobonds verteufelt und ein vereinigtes Europa ablehnt .
    Es wäre alles leichter geworden wenn wir mit einer gemeinsamen Simmte sprechen .
    Wenn Griechenland geht sind die so verschuldet das die leicht nicht zurück in die Europäische Union können .

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