Kommentar
Wenn ich ein Grieche wäre

Den Schuldenschlamassel hat Griechenland selbst zu verantworten. Die Depression dieser Tage aber ist aus Brüssel, Berlin und Paris importiert. Ein Kommentar von Gabor Steingart.
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DüsseldorfWer zu Gast bei Freunden war, will hinterher sagen können: Es war schön. Man habe sich wohlgefühlt und sei beeindruckt gewesen von dem, was man gehört und gesehen habe. Im Falle der Recherchereise nach Griechenland, die ein zwanzigköpfiges Handelsblatt-Team in dieser Woche unternahm um sich im Epizentrum der Krise zu informieren, ist ein solch wohliger Rückblick leider nicht möglich.

Sicher: Wir haben in den vergangenen Tagen mutige Unternehmer getroffen, die sich gegen die Krise stemmen. Eine Krise, die stärker ist als sie selbst. Wir haben tapfere Beamten in ihren zerschlissenen Büros besucht. Sie versuchen dem Anarchischen eine Ordnung zu geben. Wir sprachen mit Politikern, die sich der historischen Stunde bewusst sind, in die sie vom Schicksal hineingestellt wurden.

Aber der vorherrschende Eindruck war ein anderer: Wir haben ein erschöpftes Land vorgefunden. Ein Land, das doppelt leidet: Am selbstverschuldeten Schuldenschlamassel und an jener europäischen Rettungspolitik, die alles noch schlimmer macht. Die Bilanz der Helfer könnte trostloser kaum sein: Die Wirtschaftsleistung sinkt, die Arbeitslosigkeit steigt, die jungen Leute träumen von einem Leben im Ausland. Und: Das Staatsdefizit schießt durch die Decke als sei nichts gewesen.

Solche Schuldenberge wird man nicht durch Schrumpfung der Wirtschaftskraft los. Obwohl das Land das härteste Sparpaket in Gang setzte, das sich je ein westliches Land außerhalb von Kriegszeiten zumutete, stieg die Verschuldung seit Ende 2009 um 55 Milliarden Euro; gemessen an der Wirtschaftskraft legte sie von zuvor 127 Prozent der Wirtschaftskraft auf nunmehr 167 Prozent zu. Man kann sich keine Muskeln anhungern.

Wenn ich Grieche wäre, ich würde meinen Helfer wegen vorsätzlicher Körperverletzung verklagen. Und bei Einbruch der Dämmerung stünde ich mit den anderen auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament, um mein Missfallen über eine Krisenpolitik kundzutun, die krisenverschärfend wirkt.

Die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller. Der Schuldenschnitt, der gestern Nacht in Brüssel verabredet wurde, wird den Verfall Griechenlands bremsen, aber nicht stoppen. Er kommt vor allem anderthalb Jahre zu spät. Wenn man die Schulden damals halbiert hätte, würde das Defizit heute unter 100 Prozent der Wirtschaftskraft liegen. So aber bleibt Griechenland der Zutritt zum Kapitalmarkt auf absehbare Zeit versperrt.

Kommentare zu " Kommentar: Wenn ich ein Grieche wäre"

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  • Die EU und ihr Euro sind die Feinde der Demokratie!
    Sieht man auch am Lissabon-Vertrag.

  • @schemutat es ist in Griechenland so wie sie es schreiben,
    die Deutsche kennen die ganze warcheit nicht alle Leser meinen Griechenland bekommt Hilfe aber das ist sehr teures Geld was das Volk bezahlen muss.Die Schüller haben noch keine Bücher bekommen Die Rentner haben von ihre 650€ rente 200€ Gebüst Die Busfahrer (Mari)1200 monatlich,Polizist 900€ ein Arbeiter 550€also Weniger noch wie in Slowakei,das
    Problem ist nicht alles das was ihr denkt und schreibt,jeder der in Griechenland in Urlaub fährt stellt fest das die Griechen sehr aktiv und Fleischig sind,gastfreundlich und nicht Arrogant.Die Politiker sind das Problem des Landes und jeder der über Griechenland Weis,Weis ganz genau was ich meine,DANKE


  • Ihr Artikel sagt die ganze Wahrheit.Endlich lesen die Deutschen was in Wirklichkeit hier los ist und nicht das, was die "Bild" schreibt. Rührend all das was sie schreiben.Respekt.

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