Kommentar zu Plastiktüten-Beschluss
Plastik-Plage bleibt uns erhalten

Die Europäische Union will den Verbrauch von Plastiktüten verringern und auf diese Weise die Umwelt schonen. Das ist löblich – und längst überfällig. Leider ist der Beschluss aus Brüssel jedoch nicht ohne Makel.
  • 2

Es ist ein hehres Ziel in Sachen Umweltschutz: Jeder Bürger in Europa soll bis Ende 2025 im Schnitt nur noch 40 Plastiktüten jährlich verbrauchen. So wünscht es sich die EU – und erlaubt den Staaten daher künftig die Beutel zu besteuern oder national sogar zu verbieten. Die Bundesregierung hat noch nicht entschieden, wie sie die Vorgabe umsetzen will. Fest steht jedoch: Nicht betroffen von dem Vorhaben sind robuste Mehrfachtüten oder extrem dünne Tüten, die für Obst und Gemüse gebraucht werden. Und genau das ist das Problem des EU-Beschlusses.

Dass die EU den Plastikmüll eindämmen will, ist überfällig: Nach Angaben der Kommission wurden in der Mitgliedsstaaten 2010 mehr als acht Milliarden Kunststofftüten weggeworfen. Damals verbrauchte jeder Europäer im Durchschnitt 176 Plastiktüten pro Jahr, in Deutschland waren es 64.

Umweltexperten fordern vor diesem Hintergrund seit langem, weniger Plastiktüten zu verbrauchen. Wegen seiner Langlebigkeit – Experten gehen von bis zu 450 Jahren aus – ist Plastik unbestritten eine Gefahr für die Umwelt. Riesige Mengen Plastikmüll gelangen Jahr für Jahr vom Land ins Meer. In den Müllteppichen sterben jährlich Hunderttausende Vögel und Meeressäuger. Sie verheddern sich oder fressen Plastik. Winzige Teile könnten über die Nahrungskette auch in den menschlichen Körper gelangen, warnen Experten.

Das Rezept, wie sich der Verbrauch von Plastiktüten verringern lässt, ist längst bekannt: Indem der Verbraucher zur Kasse gebeten wird. Beispiel Dänemark: Dort wurden die Einwegtüten besteuert, woraufhin der Verbrauch pro Einwohner auf vier pro Jahr gesunken ist. Die Iren verbrauchen durchschnittlich 20 Stück, darunter 18 Einwegtüten. Dort ist eine Abgabe von 22 Cent je Tüte fällig.

Auch in Deutschland überlegen die Kunden, ob sie nicht mit Rucksack oder Jutebeutel zum Einkaufen gehen oder bereits gebrauchte Plastikbeutel ein weiteres Mal verwenden, seit die Tüten im Supermarkt kosten. Gratis sind allerdings die dünnen Tütchen, die vor allem an den Obst- und Gemüsetheken zu finden sind.

Diese will die EU auch weiterhin zulassen. Dabei sind es gerade diese Tüten, die so gut wie nie ein zweites Mal verwendet werden und die am schnellsten vom Winde verweht werden – und sich so dem Recycling-Kreislauf entziehen. Ausgerechnet an diesem Punkt versäumt es die EU, Anreize zu setzen, auf Papiertüten oder Stoffbeutel umzusteigen. Das macht den Plastiktüten-Beschluss leider nicht makellos.

Kommentare zu " Kommentar zu Plastiktüten-Beschluss : Plastik-Plage bleibt uns erhalten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wird Plastikmüll in Deutschland nicht verbrannt?

  • Stopp Plastikmüll und zwar sofort. 2025 ist viel zu weit weg.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%