Kommentare zur Nahost-Krise
Pressestimmen: „Krieg für die Innenpolitik“

1982 rückten israelische Truppen im Libanon ein, damals hieß der Feind PLO. 24 Jahre später versuchen Regierung und Militärführung in Jerusalem wieder, sich mit einem Feldzug im Nachbarland eines Feindes zu entledigen - der Hisbollah. Lesen Sie, wie die internationale Presse die israelische Offensive kommentiert.

Die niederländische Zeitung De Volkskrant fürchtet: „Das große Risiko, das Israel mit seiner Politik der Eisernen Faust eingeht, besteht darin, dass die zerbrechliche Demokratie im Libanon untergraben wird und eine Kettenreaktion ausgelöst wird, die das Land in den Bürgerkrieg der 80er Jahre zurückbringt. Wenn das der unerwünschte Ausgang des jetzigen Konflikts würde, hätte Israel mehr Probleme aufgeworfen als gelöst. Es würde damit nicht nur der Hisbollah in die Karten spielen, sondern auch dem Iran und Syrien, den beiden Ländern, die hinter den Kulissen die Fäden ziehen. Die Iraner wollen die Welt von ihrem Kernwaffenprogramm ablenken, und die Syrer wollen ihre Kontrolle über den Libanon wieder herstellen. Zu verhindern, dass ihnen das gelingt, ist auch in Israels Interesse.“

Ins gleiche Horn stößt das französische Blatt Libération: „In einer derart explosiven Region ist ein unabhängiger und demokratischer Libanon von vitaler Bedeutung. Vor gut einem Jahr löste die Ermordung des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri eine beeindruckende demokratische Erhebung aus und brachte den Abzug der syrischen Truppen. Unglücklicherweise laufen die mörderischen Bombardierungswellen gegen den Libanon durch die israelische Armee jetzt Gefahr, sehr schnell all diese Bemühungen zu ruinieren und das Land sogar auch wieder in einen Bürgerkrieg zu stürzen.“

Die Wiener Zeitung Der Standard analysiert: „Man kann nur hoffen, dass die westliche Welt, im eigenen Interesse, jetzt mithelfen will, die Hisbollah auszubooten. Gelingt das nicht, dann wird die Hisbollah, wenn sie die nächste Krise provoziert, schon einen nuklearen Iran im Rücken haben - und dann wird der Nahe Osten sehr alt aussehen.“

Der britische Daily Telegraph plädiert dafür, Beirut zu unterstützen: „Die libanesische Regierung und das Militär sind zu schwach, um gegen die radikal-islamische Hisbollah-Miliz effektiv vorzugehen. Dazu brauchen sie Unterstützung. Wenn Israel weiter Ziele im Libanon bombardiert, könnte dies die Zivilbevölkerung gegen die Hisbollah aufbringen. Wahrscheinlicher ist jedoch der umgekehrte Fall: Die Popularität der Radikalen könnte zunehmen, ähnlich wie nach den Sanktionen gegen die Hamas.“

The Guardian

, ebenfalls aus Großbritannien, verlangt mehr Engagement der Europäer: „Der Krieg im Irak hat den Einfluss der USA in der Region stark geschwächt. Falls es wirklich dazu kommt, dass eine multinationale Sicherheitstruppe in den Libanon geschickt wird, müssen die europäischen Regierungen sich engagieren. Das erwarten auch ihre Bürger. Die EU darf nicht tatenlos zusehen und den USA wichtige Entscheidungen überlassen, während sich die Krise weiter zuspitzt.“

Die serbische Tageszeitung Danas sieht für Israels militärische Offensive wichtige innenpolitische Gründe: „Israel hat tatsächlich das Recht, sein Territorium zu verteidigen. Aber die unverhältnismäßige starke militärische Antwort auf die Gefangennahme eines israelischen Soldaten deutet auch auf das Bestehen anderer Motive für die neueste Eskalation. Der Hisbollah-Angriff hat Israel den legitimen Rahmen gegeben zurückzuschlagen. Ohne diesen wäre die Regierung Olmert praktisch politisch tot. Olmert hat die außergewöhnliche Chance nicht verpasst, einen tiefen politischen Konsens zu erreichen und einen Krieg zu führen, den die Mehrheit der Israelis unterstützt.“

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