Konjunktur
Stunde der Wahrheit für den Welthandel

Unmittelbar vor der entscheidenden Runde der Welthandelsgespräche in Genf hat die deutsche Wirtschaft eindringlich vor einem Scheitern des Krisengipfels gewarnt. Trotz des hohen Drucks herrscht bei den Verhandlungspartnern Skepsis, dass in Genf ein Durchbruch gelingen könnte. Vor allem für Exportweltmeister Deutschland steht viel auf dem Spiel.

BRÜSSEL/GENF. Überschattet von weltweiten Rezessions- und Inflationsängsten beginnt heute in Genf ein Krisentreffen zur Rettung der vor sieben Jahren gestarteten Welthandelsrunde. "Die Stunde der Wahrheit für die Runde ist gekommen", sagt der Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO), Pascal Lamy. Minister und Diplomaten aus etwa 40 Staaten sollen in wenigen Tagen die seit 2006 festgefahrenen Verhandlungen zur Öffnung der Weltmärkte wieder flott machen.

Nach Jahren hoher Zuwachsraten im Welthandel zeigen sich jüngst deutliche Bremsspuren. Einer niederländischen Studie zufolge stieg der globale Austausch von Waren und Dienstleistungen im vierten Quartal 2007 nur noch um 0,2 Prozent. Als Ursache gelten unter anderem die wegen der hohen Ölpreise stark gestiegenen Transportkosten sowie der wachsende Protektionismus vieler Schwellenländer bei Agrarprodukten infolge der Nahrungsmittelkrise.

Die Weltwirtschaft stehe vor einem Berg von Problemen, warnte EU-Handelskommissar Peter Mandelson. Ein erfolgreicher Abschluss der Handelsrunde sei immens wichtig, um wieder Vertrauen zu schaffen. Sollten die Gespräche in Genf scheitern, dann gebe es frühestens 2010 eine neue Einigungschance, betonte Mandelson, der für die 27 EU-Staaten die Verhandlungen führt. Grund sind die Präsidentschaftswahlen in den USA Ende 2008, die Parlamentswahlen in Indien im Frühjahr 2009 und der Wechsel der EU-Kommission im Herbst 2009.

Doch trotz des hohen Drucks herrscht bei den Verhandlungspartnern Skepsis, dass in Genf ein Durchbruch gelingt. Die Handelsminister der EU bezifferten die Einigungschancen bei einem Treffen am Freitag in Brüssel auf fünfzig zu fünfzig.

Für die Bundesregierung werden zeitweise Wirtschaftsminister Michael Glos und Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (beide CSU) in Genf vertreten sein. Die Verhandlungen am Sitz der WTO sollen eine ganze Woche andauern. Glos hatte schon vor einigen Tagen betont, dass es "einen Abschluss um jeden Preis" mit Deutschland nicht geben werde.

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