Kosmetisch geringe Aufstockung
Großbritannien schickt mehr Soldaten in den Irak

370 zusätzliche Soldaten will Großbritannien in den Irak entsenden. Damit erhöht das Land seine Truppenpräsenz zunächst auf rund 8 900 Soldaten.

HB LONDON. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon signalisierte am Donnerstag zudem, zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise noch mehr Soldaten zu entsenden. „Wir beraten mit unseren Partnern in der Koalition über die Stärke und das Niveau der im Irak in den kommenden Monaten benötigten Truppen“, sagte Hoon vor dem Parlament. Er zeigte sich zugleich optimistisch, dass nach der Verabschiedung einer neuen UN-Resolution für den Irak auch andere Länder ermutigt sein würden, Soldaten in das Land zu schicken.

„Wir sind optimistisch, dass mit einer neuen Resolution und einer souveränen Regierung im Irak, andere Länder ermutigt werden, Soldaten zu entsenden“, sagte Hoon. Ein Regierungssprecher hatte zuvor gesagt, Premierminister Tony Blair berate mit seinen Verbündeten weiterhin über die Größe des Truppenkontingents und die bevorstehende Erhöhung sei noch keine strategische Entscheidung. Eine solche werde aber in der Zukunft fallen.

Aus Militärkreisen hatte es zuvor geheißen, Großbritannien werde bis zu 800 zusätzliche Soldaten in den von den Briten kontrollierten Südirak entsenden. Die britischen Truppen würden im Süden bleiben und nicht an Orte wie etwa Nadschaf verlegt, wo US-Truppen mit schiitischen Aufständischen kämpfen. Seit Spanien nach einem Regierungswechsel seine Soldaten im Irak abgezogen hat, war spekuliert worden, Großbritannien könne mehrere Tausende zusätzliche Soldaten in das Land schicken. Die britischen Soldaten kontrollieren die Region um Basra, wo der wichtigste Ölhafen des Iraks ist.

Die geringfügige Truppenaufstockung bezeichneten Experten als kosmetisch. „Das macht keinen großen Unterschied“, sagte Tim Ripley vom Centre of Defence and International Security Studies. Für Blair - in Umfragen wegen seiner Irak-Politik mit sinkender Popularität konfrontiert - dürfte bereits die Entsendung weniger Hundert Soldaten politisch brisant sein. „Das bringt das Irak-Thema nun wieder auf die erste Seite und ins Fernsehen. Die Regierung will dagegen runter von Seite Eins“, sagte Politikprofessor Wyn Grant von der Universität in Warwick.

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