Kosovo
Das letzte afrikanische Land Europas

Eine wirtschaftliche Erfolgsstory: Ökonomen hoffen durch die erwartete Unabhängigkeit des Kosovo auf wirtschaftliche Erholung und eine Welle von Auslandsinvestitionen. Die politische Führung in Pristina will bis spätestens März das bisherige Armenhaus Europas als eigenen Staat ausrufen. Das Balkanland, das noch zu Serbien gehört, hätte es bitter nötig.

PRISTINA. Fast jeder zweite Erwerbsfähige ist offiziell arbeitslos, das Kosovo hat ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von der Höhe Ägyptens, und die ökonomische Kraft der im Ausland lebenden Kosovo-Albaner ist größer als die heimische Wirtschaft.

Bisher kommt die knapp zwei Millionen Einwohner zählende Provinz auf ein BIP von gerade einmal 2,5 Mrd. Euro, was pro Kopf nur ein Viertel dessen ausmacht, was das verhasste Serbien erwirtschaftet. Daneben besteht ein gewaltiger Schwarzmarkt-Sektor, und das Kosovo rangiert inmitten afrikanischer Despotien auf dem viertletzten Platz des Korruptions-Index von Transparency International. Dies alles soll sich mit der Unabhängigkeit schnell ändern.

„Jeder Tag, den die Unabhängigkeit länger auf sich warten lässt, bringt wirtschaftliche Schäden, soziale Unruhen, politische Revolten und Chaos“, sagte Kosovos Wirtschafts- und Finanzminister Haki Shatri dem Handelsblatt. Ein Zurück hinter die Forderung nach staatlicher Selbstbestimmung werde es nie geben, betonte Shatri: „Denn ohne Unabhängigkeit können wir keine der dringend benötigten Auslandsinvestoren anlocken und wirtschaftlich nur schwach wachsen.“ Tatsächlich wuchs die Wirtschaft des Kosovo voriges Jahr gerade einmal um drei Prozent.

Immerhin wächst die Eigenständigkeit: Während die internationalen Finanzhilfen zurückgefahren wurden, kann das Kosovo inzwischen den Löwenanteil seines Haushalts selbst finanzieren – allerdings zumeist aus Zolleinnahmen: Denn noch immer werden 90 Prozent der Lebensmittel importiert. Die Handelsbilanz ist tiefrot, da die Provinz gerade einmal laut Finanzministerium Waren für 51,5 Mill. Euro in den ersten sechs Monaten ausgeführt hat.

Trotz 22 Mrd. Euro für Finanzhilfen und Kosten für die von den Vereinten Nationen gestellte Verwaltung des jetzigen Uno-Protektorats Kosovo sowie für die Nato-geführte Kfor-Schutztruppe leben nach Angaben der Weltbank noch immer 45 Prozent der Kosovaren in Armut und 18 Prozent in „extremer Armut“ mit weniger als einem Dollar pro Tag. Und selbst die Uno rechnet mit dem Wegfall von sieben Prozent des BIP, wenn die Vereinten Nationen kommendes Jahr ihr Protektorat aufgeben.

Seite 1:

Das letzte afrikanische Land Europas

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%