Kreml will Moldawien mit Transnistrien vereinigen
Moldawier protestieren gegen Russen-Plan

Der Kreml hat einen Plan vorgelegt, wie das abgespaltene Transnistrien wieder mit Moldawien vereinigt werden kann. Dagegen demonstrierten Zehntausende in der Hauptstadt Chisinau.

HB BERLIN. Mehrere zehntausend Menschen haben am Sonntag in der moldawischen Hauptstadt Chisinau gegen eine geplante Verfassungsänderung demonstriert. Sie soll dem Landesteil Transnistrien, der sich nach einem Krieg 1991 von Moldawien abspaltete, mehr Eigenständigkeit einräumen und so den Wiederanschluss an das Mutterland ermöglichen.

Nach Angaben von Parteien, die in Opposition zu den regierenden Kommunisten stehen, nahmen mehr als 50.000 Menschen an dem Protestmarsch teil. Er war die seit Jahren größte Kundgebung in der früheren Sowjetrepublik; die Polizei sprach von 25.000 Demonstranten.

Sie forderten einen völligen Abzug der russischen Truppen aus Moldawien sowie den Beitritt zu NATO und EU. Außerdem protestierten sie gegen die Umsetzung eines russischen Friedensplans für den Transnistrien-Konflikt.

Der Plan sieht vor, dass die mehrheitlich von Russen bewohnte Region mit dem moldawischen Mutterland einen Bundesstaat bilden solle. An der Grenze beider Landesteile am Dnjestr-Fluss sollen 2000 russische Soldaten stationiert werden.

Zudem schlägt der Kreml vor, Russisch solle zur offiziellen Sprache des Bundesstaats erklärt werden, während Rumänisch den Status der Staatssprache behalte. Das Projekt sieht vor, dass die Moldawier im Oktober 2004 über die nötigen Verfassungsänderungen abstimmen sollen.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde das an der Grenze zu Rumänien und mehrheitlich von Rumänischsprachigen bewohnte Moldawien ein eigenständiger Staat. Im stark industrialisierten, östlich des Dnjestr gelegenen Landstreifen – daher der Name Transnistrien – gelang es aber den lokalen Machthabern, die mehrheitlich russischsprachige Bevölkerung gegen die Zentralmacht aufzuwiegeln, indem sie Ängste vor einer gewaltsamen Romanisierung schürten.

Ein kurzer Bürgerkrieg 1991 endete mit einem Patt. Seither werden beide Konfliktparteien durch russische Truppen voneinander getrennt, die als OSZE-Friedenstruppen stationiert sind.

Während das landwirtschaftlich geprägte Moldawien mittlerweile stark verarmt ist und mehr als eine halbe Million der fünf Millionen Einwohner auf Suche nach Arbeit ins Ausland emigrierte, geht es Transnistrien vergleichsweise gut. Die regierende Clique des international nicht anerkannten Staates verdient viel Geld mit Waffen-, Drogen- und Menschenhandel.

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