Krieg in Syrien
Putin unterstützt Assad aus der Luft und vom Meer

Russland kämpft in Syrien nur vordergründig gegen den IS, aber für Assad. Die Ziele der russischen Luftangriffe zeigen das – trotz gegenteiliger Beteuerungen aus Moskau. Jetzt folgt gar Hilfe für Assads Bodenoffensive.

Brüssel/Damaskus/Moskau/Beirut-

Die russischen und syrischen Streitkräfte haben gemeinsam eine groß angelegte Luft- und Bodenoffensive gegen verschiedene Rebellengruppen in mehreren Teilen des Bürgerkriegslandes begonnen. Vom Kaspischen Meer aus feuerten russische Kriegsschiffe auf Ziele in den fast 1500 Kilometer entfernten Provinzen Rakka und Aleppo, wie die Regierung in Moskau mitteilte. Am Boden rückten syrische Soldaten mit russischer Deckung in Hama und Idlib vor.

Die USA und die Türkei beklagten wie schon in den Tagen seit Beginn des russischen Militäreinsatzes, dass die Angriffe nicht nur die Terrormiliz Islamischer Staat zum Ziel hätten, sondern auch andere Rebellen, darunter gemäßigte Gruppen, die vom Westen unterstützt werden.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu versicherte, dass die Raketen von vier Kriegsschiffen im Kaspischen Meer über iranischen und irakischen Luftraum auf Stellungen des IS abgefeuert worden seien. Rakka ist eine der Hochburgen der Gruppe, in Idlib, wo ebenfalls Geschosse einschlugen, ist hingegen die radikalislamische Nusra-Front aktiv.

Gegen diese richtete sich zum Teil auch die Bodenoffensive in der Provinz. Hama, wo die syrischen Regierungstruppen ebenfalls vorrückten, wird allerdings vielerorts von moderaten Rebellen kontrolliert.

Der Anführer einer dieser moderaten Rebellengruppen bestätigte der Nachrichtenagentur AP per SMS, dass die Offensive im Gange sei. Er behauptete, dass auch russische und iranische Soldaten daran beteiligt seien. Einer seiner Kommandeure berichtet von Angriffen aus drei Richtungen, unter anderem aus Latamne, nördlich der Provinzhauptstadt Hama, wo seine Truppe stationiert sei. Fast die ganze Gegend dort sei unter Kontrolle von Rebellen.

Russland hat nach US-Angaben innerhalb kurzer Zeit Hunderte Soldaten, modernste Kampfpanzer und weiteres Kriegsgerät in Syrien zusammengezogen. „Für einen schnellen Aufmarsch innerhalb etwa einer Woche ist die Streitmacht, die sie da unten im Einsatz haben, eigentlich ziemlich beeindruckend“, sagte der Nato-Botschafter der USA, Douglas Lute, am Mittwoch in Brüssel. Dabei seien Truppen in Bataillonstärke - etwa 1000 Soldaten - sowie Artillerie, Jets, Kampfhubschrauber, Raketen und Luftabwehr-Anlagen in die russischen Stützpunkte Tartus und Latakia transportiert worden. Im Osten des Mittelmeers ziehe Russland zudem einen „beachtlichen und wachsenden“ Marineverband zusammen, der inzwischen aus mehr als zehn Schiffen bestehe. „Das ist ein bisschen ungewöhnlich“, sagte Lute.

Die russische Luftwaffe unterstützt die syrischen Streitkräfte nach Angaben von Präsident Wladimir Putin bei ihrer Bodenoffensive in der zentralen Provinz Hama. Russland werde sein Vorgehen in Syrien „mit den Einsätzen der syrischen Armee am Boden" koordinieren sagte Putin am Mittwoch. Aus syrischen Militärkreisen hieß es kurz darauf, die Bodenoffensive sei mit Unterstützung der russischen Luftwaffe im Gange.

In Brüssel warnte er gegenüber Moskau: „Ein Angriff auf die Türkei ist ein Angriff auf die Nato, das sollte man wissen.“ Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg äußerte, er gehe nicht davon aus, dass das ein „Unfall“ gewesen sei. Vielmehr handle es sich um eine „schwerwiegende Verletzung“. Diese könne zu „gefährlichen Situationen“ führen, fuhr Stoltenberg fort. Moskau müsse sicherstellen, dass sich derlei nicht wiederhole.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu erklärte in Moskau, Russland beschieße den IS auch von vier Kriegsschiffen aus. Der Minister berichtete Präsident Putin im einem im Fernsehen übertragenen Gespräch, dass 26 Raketenangriffe geführt worden sein. Die Operation habe alle Ziele zerstört. Gegenden mit Zivilisten seien nicht anvisiert worden.

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