Krieg in Syrien
Streit zwischen USA und Russland eskaliert

Während Russland den USA die Unterstützung des Terrorismus vorwirft, denken diese über eine härtere Maßnahme gegen die russische Offensive nach. Die UN hingegen fordern Sicherheit für Menschen in Aleppo.

Moskau/Genf/Washington/New YorkIn der festgefahrenen diplomatischen Krise zwischen Russland und den Vereinigten Staaten zur Syrien-Frage hat es am Donnerstag keine Bewegung gegeben. Der russisch-amerikanische Austausch hatte nach einem Angriff auf einen UN-Hilfskonvoi gelitten, für den die USA Russland zumindest mitverantwortlich machen. Die Großstadt Aleppo hatte in den vergangenen Tagen die heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 erlebt. In den Rebellengebieten dort sind bis zu 300.000 Menschen eingeschlossen.

US-Außenminister John Kerry sagte am Donnerstag in New York, die Verhandlungen mit Russland stünden kurz vor dem Abbruch. Angesichts der anhaltenden Angriffe auf die syrische Metropole Aleppo seien derartige Gespräche "irrational". "Dies ist einer der Momente, an denen wir Alternativen verfolgen müssen."

Die russische Führung erklärte, die Offensive auf Aleppo werde fortgesetzt. Die Rhetorik aufseiten der Regierung in Washington sei in den vergangenen Tagen eher unkonstruktiv gewesen. Die Wortwahl der USA in der Krise lasse sich nur als Unterstützung des Terrorismus interpretieren, sagte der russische Außenstaatssekretär Sergej Riabkow am Donnerstag Agenturmeldungen zufolge. Auslöser für den Zorn des russischen Staatssekretärs war eine Äußerung des US-Außenministeriums vom Mittwoch.

Dessen Sprecher John Kirby hatte Russland indirekt davor gewarnt, in dem Konflikt weiter militärisch tätig zu sein, da Russland dadurch zum Ziel von Extremisten werden könnte. Er sagte, Russland habe selbst ein Interesse an einem Ende der Gewalt in Syrien, da Extremisten vom Machtvakuum dort profitieren und Angriffe "auf russische Interessen, möglicherweise sogar russische Städte" unternehmen könnten.

"Wir können dies nicht anders interpretieren als eine de-facto-Unterstützung des Terrorismus durch die US-Regierung", sagte Riabkow Agenturmeldungen zufolge. "Diese kaum verhohlenen Einladungen, Terror als Waffe gegen Russland einzusetzen, zeigen, wie tief die aktuelle US-Regierung in ihrer Nahost- und Syrien-Politik gesunken ist."

Russland kritisiert die US-Haltung seit Tagen scharf. Das Außenministerium in Moskau wirft Washington unter anderem vor, mit der Syrien-Politik innenpolitische Ziele zu verfolgen. Der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, gab den USA die Schuld an der erneuten Eskalation der Kämpfe. Die USA würden ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, "moderate Rebellen von Terroristen" zu unterscheiden.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power erklärte hingegen, das russische Vorgehen in Syrien sei ein "Geschenk an die Extremisten-Miliz Islamischer Staat", die vom Chaos des Bürgerkriegs profitiere.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin verlautete, Außenminister Frank-Walter Steinmeier dringe darauf, dass die USA und Russland ihre Gespräche fortsetzten, um wenigstens eine vorübergehende Feuerpause zu erreichen. Die russische Seite müsse eine Waffenruhe von mehr als 48 Stunden mittragen und bei der syrischen Führung durchsetzen, damit humanitäre Hilfe für die Bevölkerung möglich sei. Ein Regierungssprecher erklärte, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe Putin in einem Telefonat aufgefordert, alles zu versuchen, um die Lage der syrischen Bevölkerung zu verbessern.

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