Kriegsverbrechen
Kroatischer Ex-General auf Teneriffa gefasst

Der wegen Kriegsverbrechen gesuchte frühere kroatische General Ante Gotovina ist auf den Kanarischen Inseln festgenommen worden. Es dürfte eine späte Genugtuung für die Regierung in Zagreb sein, die dem argwöhnischen UN-Tribunal stets versichert hatte, Gotovina halte sich nicht in Kroatien auf.

HB SANTA CRUZ. Die Behörden Hauptstadt von Teneriffa, Santa Cruz, erklärten am Donnerstag, Gotovina sei bereits am Mittwochabend in einem Hotel im Touristenort Playa de Las Américas im Süden der Ferieninsel festgenommen worden. Die spanische Polizei sei ihm bereits seit mehreren Tagen auf den Fersen gewesen. Gotovina habe sich auf verschiedenen Inseln des Archipels versteckt gehalten. Nun solle er mit einer Militärmaschine in die Niederlande geflogen werden, damit ihm vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag der Prozess gemacht werden könne.

Der Ex-General soll für den Tod von 150 Serben und die Vertreibung von 150 000 Menschen in der Krajina verantwortlich sein. In dieser überwiegend von Serben bewohnten Region im Osten Kroatiens fand 1995 eine der letzten Offensiven des Balkankriegs statt. Gotovina wurde 2001 angeklagt, danach verlor sich jede Spur.

Die Forderung nach einer Auslieferung des Exgenerals hat in diesem Jahr die Aufnahme von Beitrittsgesprächen der EU mit Kroatien verzögert. Diese hätten ursprünglich am 17. März beginnen sollen, wurden von der EU aber monatelang ausgesetzt und wurden erst Anfang Oktober aufgenommen. Die Regierung in Zagreb hatte stets erklärt, dass Gotovina das Land verlassen habe und dass sein Aufenthaltsort unbekannt sei.

Die Chefanklägerin des UN-Tribunals, Carla Del Ponte, dankte am Donnerstag in Belgrad den kroatischen und spanischen Behörden für die Zusammenarbeit. Weiterhin auf der Flucht sind die vom UN-Kriegsverbrechertribunal angeklagten früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic und Ratko Mladic.

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