Krise in Italien
Staatspräsident Napolitano will weitermachen

Italien sucht verzweifelt nach einem neuen Staatschef – findet aber keinen. Nun will der amtierende Präsident Giorgio Napolitano für eine zweite Amtszeit kandidieren. Er könne sich der Verantwortung nicht entziehen.
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RomAngesichts der Unfähigkeit der italienischen Parteien, sich auf einen neuen Staatschef zu einigen, hat sich Präsident Giorgio Napolitano zu einer erneuten Kandidatur bereit erklärt. Aus „Verantwortung gegenüber der Nation“ willige er ein, sich für eine zweite Amtszeit zur Wahl zu stellen, erklärte der 87-Jährige am Samstag. Zuvor war den Parteien auch im fünften Wahlgang keine Einigung auf einen Nachfolger gelungen.

„Ich halte es für meine Pflicht, die Bereitschaft zu bieten, die von mir erbeten worden ist“, sagte Napolitano. Er war zuvor sowohl vom Vorsitzenden des Mitte-links-Bündnisses, Pier Luigi Bersani, dem Vorsitzenden der konservativen Partei Volk der Freiheit (PdL), Silvio Berlusconi, als auch dem amtierenden Ministerpräsidenten Mario Monti zu einer erneuten Kandidatur gedrängt worden.

Der über die Parteigrenzen hinweg geachtete Napolitano hatte eine erneute Kandidatur zuvor unter Verweis auf sein Alter stets abgelehnt. „Ich muss meiner Verantwortung gegenüber der Nation nachkommen und ich bitte um die entsprechende Übernahme kollektiver Verantwortung“, erklärte er nun jedoch mit Blick auf den Streit der Parteien. Es wurde erwartet, dass er die sechste Abstimmungsrunde mit großer Mehrheit gewinnen würde.

Zuvor hatte auch der fünfte Wahlgang kein Ergebnis gebracht. Auf Empfehlung ihrer Parteien enthielten sich insgesamt 462 Mitglieder der Wahlversammlung oder gaben leere Stimmzettel ab. Der von der Protestbewegung Fünf Sterne des Komikers Beppe Grillo ins Rennen geschickte Verfassungsrechtler Stefano Rodotà erhielt letztlich nur 210 Stimmen.

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Bersani tritt zurück

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  • Mann oh Mann, das ist schon ein bisschen peinlich von den Italienern, einen 87-jährigen in die Pflicht zu nehmen, weil man sich gegenseitig blockiert. Solche Spielchen kennt man ja leider auch aus Deutschland nur haben wir es Gott sei Dank noch nicht zu einem solchen Extrem gebracht. Hoffentlich ist das ein Weckruf für die Italiener zu Potte zu kommen...

  • Darum geht es doch auch nicht. Er will sich jetzt noch einmal wählen lassen, um dann die möglichst ihm genehme Partei an die Macht zu hieven. Danach tritt er zurück und fühlt sich als Retter.

    So weit, so gut (oder so schlecht), aber: Was passiert, wenn auch er nicht gewählt wird? In Italien ist im Moment ja alles möglich.

  • Das spart Pensionen. Bei allen Verlaub und Respekt vor der Entscheidung, sei doch angemerkt, dass die Wahrscheinlichkeit recht gering erscheint, dass Herr Napolitano, der im Juni 88 Jahre alt wird, eine zweite 7-jährige Amtszeit überlebt.

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