Krise in Thailand
Die Instabilität schadet nicht nur dem Tourismus

Auf dem Flughafen in Bangok ging eine Woche nichts mehr: Touristen, Briefe und Waren saßen fest. Die Flughafenblockade kostet die Wirtschaft rund 4,12 Mrd. Dollar. Die anhaltende politische Krise in Thailand hat das Vertrauen der Urlauber und Investoren zerstört.

DÜSSELDORF/DELHI. Die Flughafenblockade in Bangkok hat dem Tourismusland Thailand einen schweren Imageschaden zugefügt – aber die wirtschaftlichen Folgen des Machtkampfs gehen weit darüber hinaus. So verhindert die anhaltende Lähmung der staatlichen Institutionen etwa notwendige Konjunkturprogramme.

Nachdem das Verfassungsgericht gestern die Regierungspartei verboten und damit eine Hauptforderung der Opposition erfüllt hat, soll der Flugverkehr auf den beiden Flughäfen der Hauptstadt heute zwar wieder anlaufen. Doch durch die Blockade waren 250 000 Reisende betroffen, die zum Teil tagelang feststeckten. Schreckt die anhaltende Unsicherheit Urlauber ab, droht dem Tourismus in Thailand schwerer Schaden. Die Branche trägt mit Einnahmen von über zwölf Mrd. Euro pro Jahr mehr als sechs Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes bei. Für die Deutschen ist Thailand das beliebteste Fernreiseziel: 2007 wurden mehr als 537 000 Besucher mit deutschem Pass gezählt.

Über den Flughafen Suvarnabhumi, der eine Woche lang blockiert war, werden aber üblicherweise nicht nur 100 000 Passagiere pro Tag abgefertigt, sondern es wird auch Fracht im Wert von 85 Mio. Dollar umgeschlagen. Denn Thailand ist ein wichtiges Drehkreuz für leichte Industriegüter wie Autoteile oder Elektronik. Ein Ausfall der Flughäfen in Bangkok reißt deshalb ein Loch in die Zuliefer-Ketten vieler Firmen. Experten schätzen, dass drei Prozent der weltweiten Luftfracht über Bangkok laufen.

Gestern durften reine Frachtflüge wieder von Suvarnabhumi aus starten. Doch eine Woche lang waren viele thailändische Exporteure gezwungen, ihre Waren auf dem Landweg rund 1 000 Kilometer nach Norden ins Nachbarland Malaysia zu bringen und von dort weiterzuverschicken. Bei der thailändischen Post steckten zeitweise 240 000 Briefsendungen und Pakete fest.

Thailands staatliche Planungsbehörde schätzt, dass die Flughafenblockade der Wirtschaft Verluste in Höhe von 146 Mrd. Baht (4,12 Mrd. Dollar) bescheren könnte. Finanzminister Suchart Thada-Thamrongvech geht davon aus, dass das BIP 2009 nun nicht mehr um vier Prozent wachsen wird, sondern nur um zwei Prozent. „Es wird mehr als ein Jahr dauern, das Vertrauen wiederherzustellen“, sagte der Minister. Vizepremier Olarn Chaipravat fürchtet zudem, dass 2009 nur sechs bis sieben Millionen Urlauber Thailand besuchen werden – halb so viele wie sonst üblich. Deshalb seien in der Tourismusbranche bis zu eine Million Jobs in Gefahr.

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