Krisenherde auf dem Schwarzen Kontinent überfordern die Uno-Truppen
Blauhelme stehen in Afrika auf verlorenem Posten

Morgen endet die Frist. Bis dann muss der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über die Verlängerung der umstrittenen Monuc-Friedensmission im rohstoffreichen afrikanischen Chaos-Staat Kongo entschieden haben. Laut Diplomaten könnte sich das höchste Uno-Entscheidungsgremium auf ein weiteres Mandat von zunächst zwei Monaten einigen.

HB GENF/KAPSTADT. Neben dem Kongo, wo seit 1997 rund 3,3 Millionen Menschen gewaltsam den Tod fanden, versucht die Uno sechs weitere Konflikte in Afrika zu beruhigen: In Burundi, in Sierra Leone, in Liberia, in der Elfenbeinküste, in der Westsahara und an der Grenze zwischen Äthiopien und Eritrea. In diesen Krisenherden kommen von den weltweit stationierten 55 000 Blauhelmen 47 000 zum Einsatz – Afrika ist der Kontinent mit der stärksten Uno-Präsenz.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan lobt die Engagements als „notwendige und stabilisierende Aktionen“. Vertreter der ständigen Sicherheitsratsmitglieder wie der britische Uno-Botschafter Emyr Jones Perry sekundieren dem Uno-Chef. Nach einer unlängst beendeten Inspektion der drei westafrikanischen Peace-Keeping-Missionen der Uno hielt der Brite vor dem Sicherheitsrat fest: „Jeder, der die Bedeutung der Uno in der Welt anzweifelt, sollte sich die Uno-Missionen in Westafrika anschauen.“ Insgesamt aber fällt die Bilanz der Vereinten Nationen auf dem kriegerischen Kontinent allenfalls gemischt aus. „Die Missionen in Liberia und Sierra Leone sind bisher zwar eher gut verlaufen“, analysiert Thierry Tardy vom Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik. „Gerade die Mission im Kongo gilt aber insgesamt nicht als sehr gelungen.“

Das turbulente Engagement der Uno in dem zerrissenen Land zeigt geradezu beispielhaft, was bei den Afrika-Missionen unter der blauen Flagge alles schief laufen kann. Die Monuc hat offiziell eine Soll-Stärke von nur 10 000 Mann. „Wie aber können diese wenigen Soldaten ein Gebiet, das so groß wie Westeuropa ist, befrieden?“, fragt Kondwane Chirambo vom unabhängigen Institut für Demokratie in Südafrika. „Klar, dass diese kleine Streitkraft in dem Chaos oft nur Ohnmacht zeigen kann.“ Die mit Soldaten aus Bangladesch, Nepal, Indien, Indonesien und Pakistan zusammengewürfelte Truppe verliert sich immer wieder in den Fallstricken eines Krieges um Macht, Territorium und Rohstoffe.

Wie letzten Monat, als ein lokaler kongolesischer Kriegsherr mit engen Banden zu Ruanda die Stadt Bukavu angriff und auch Zivilisten massakrieren ließ. Statt, wie im Mandat vorgesehen, die Menschen zu schützen, ließ die Uno-Friedenstruppe die Milizen gewähren. „Die Peace- Keeper sind oft total überfordert, weil sie die Sitten, die Kultur und die Besonderheiten der Länder nicht kennen“, bilanziert Peter Bell, der Präsident der humanitären Hilfsorganisation Care USA. Oft kommen jedoch auch starke Zweifel an der Motivation der Uniformierten auf. Das Entsendeland erhält für jeden Soldaten, der zur Uno abkommandiert wird, einen Scheck über 1000 US-Dollar pro Monat. Aber: Der gemeine Soldat sieht davon so gut wie nichts.

Das Geld fließt in die Kasse der Zentralregierung, nicht an das Verteidigungsministerium. Das schwört einen weiteren Konflikt herauf: „Die Verteidigungsministerien stellen nur ungern Truppen ab“, erklärt Experte Tardy. „Einerseits gibt es direkt kein Geld, andererseits sind die Einsätze brandgefährlich. Im Kongo ließen seit 1999 rund 40 Uno-Soldaten ihr Leben.“ Die professionell geführten und technisch hochgerüsteten Armeen des Westens hingegen stellen so gut wie keine Blauhelme für die Himmelfahrtskommandos in Afrika ab. „Die Abwesenheit von westlichem Personal steigert natürlich nicht gerade die Qualität der Einsätze“, kritisiert Tardy.

Zudem werden die Missionen ständig von Geldsorgen geplagt: Immerhin muss die klamme Uno für eine Operation wie die der Monuc im Kongo rund 600 Millionen Dollar im Jahr hinlegen. Wenn dann auch noch die Erfolge ausbleiben, fällt es schwer, bei den reichen Geberländern der Vereinten Nationen frisches Geld zu verlangen. Immerhin wollen die Vereinten Nationen ihre Friedensmissionen gründlich reformieren: Strategie, Ausrüstung, Dauer und Finanzierung der Einsätze sollen neu ausgerichtet werden. Den Anstoß dazu gab Generalsekretär Annan. Er kennt die Probleme nur zu gut – war er doch in den neunziger Jahren direkt für die Uno-Operationen verantwortlich.

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