Krisenökonom Otte
„Viele hoffen auf eine Fortsetzung des Euro-Dramas“

Der Krisenökonom Max Otte hält es für richtig, dass Europa Spaniens Banken rettet. Die Euro-Zone sei damit aber längst noch nicht aus dem Schneider. Warum, erläutert der Wirtschaftsprofessor im Interview.
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Handelsblatt Online: Herr Otte, Spanien ist nach Griechenland, Irland und Portugal das vierte Land, das Unterstützung aus dem Eurorettungsfonds erhält. War dieser Schritt nötig?

Max Otte: Der Schritt war absolut nötig. Auch die Beschränkung auf den Finanzsektor ist richtig.

Welches Land könnte als nächstes unter den Rettungsschirm flüchten?

Vielleicht trifft es Portugal. Wenn die Euro-Länder sich allerdings auf prophylaktische Schuldenschnitte und eine Reorganisation des Bankensektors dort verständigen könnten, wäre der Spuk wohl insgesamt vorbei und man würde sehen, dass die USA und Japan wesentlich wackliger dastehen als Europa.

Anders als die anderen Länder  soll Spanien kein strenger Sparkurs im Gegenzug für die Hilfen abverlangt werden. Die Auflagen dafür beziehen sich wohl allein auf den Finanzsektor. Halten Sie das für richtig?

Das ist absolut richtig. Die jetzige Kombination von extrem lockerer Geldpolitik und extrem harter Fiskalpolitik (Fiskalpakt) belohnt wieder die Banken und straft Bürgerinnen und Bürger. Die Staatschulden kamen ja nicht aufgrund staatlicher Misswirtschaft zustande, sondern weil die Staaten allenthalben den Banken geholfen haben, ihrer kaufmännischen Verantwortung zu entgehen. Der Sparpakt verschärft in vielen Ländern die Krise. Das ist die Politik der USA mit einem Haushaltsdefizit von 10,8 Prozent wenigstens konsistent: Vollgas auf allen Fronten.

Was müsste also geschehen?

Man müsste bei der Rekapitalisierung der Banken viel radikaler vorgehen, wie es ausgerechnet die erzkapitalistischen Länder USA und England vorgemacht haben: die Banken müssten zwangsweise Kapitalerhöhungen vornehmen, so dass ein Teil des Nutzens der Rettungsaktionen auch an die Öffentlichkeit und die Staaten zurückfließt und die Altaktionäre an dem von ihnen verursachten Schaden beteiligt werden.

Kommentare zu " Krisenökonom Otte: „Viele hoffen auf eine Fortsetzung des Euro-Dramas“"

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  • "HB: Welches Land könnte als nächstes unter den Rettungsschirm flüchten?
    Otte: Vielleicht trifft es Portugal.“ [sic!]

    => Nur zur Erinnerung, Herr „Krisenökonom“ und antimarktwirtschaftlicher Bankenretter Otte:

    Portugal IST schon seit einem Jahr unter dem EFSF-Schirm...

    Aber beim aktuellen Tempo kann auch ein "Experte" da schon mal durcheinanderkommen. Gestern Spanien und Zypern - und heute wird schon Italien debattiert...

  • @Bernd: also aus psychologischer Sicht ist dies nicht unbedingt richtig.
    Angst kann ein deutliches Zeichen sein, dass man aufpassen muss. Wenn ich keine Angst vor dem Säbelzahntiger habe, dann laufe ich auch nicht rechtzeitig weg. Angst (es gibt verschiedene Formen) kann eine äusserst wichtige Signalfunktion sein.

    Andere Formen von Angst sind irreal, also gilt es schon zu schauen, was für eine Angst man hat. In dem hier vorliegenden Falle ist es eine reale Angst (=Signalfunktion). Wenn sie irreel wäre, dann würden die Zahlungsanforderungen nicht immer schneller und höher sein bzw. die Krise sich nicht ausbreiten, wie dies hier doch deutlich der Fall ist.

    Genauso wie Kritik. Auch diese hat in Systemen eine äusserst wichtige Funktion, weil sie kybernetisch gesehen letztendlich dem Erhalt des Systems dient.

  • @ Margit
    Angst ist der schlechteste aller Ratgeber.

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