Kritik an sinkenden Löhnen und steigenden Preisen
Kerry will gegen Bush mit Wirtschaftsthemen punkten

Auch wenn John Kerry sich kämpferisch gibt, sitzt die graumelierte Föhnwelle stets tadellos. „Vor 20 Jahren konnte sich eine Mittelklasse-Familie mit nur einem Einkommen ein Haus leisten und die Studiengebühren für die Kinder bezahlen“, erinnert der Präsidentschaftskandidat der Demokraten.

HB WASHINGTON. Kerry hat beide Zeigefinger steil nach oben gestreckt, die goldenen Manschettenknöpfe blinken im Scheinwerferlicht. „Ich will keine Wirtschaft, die die Mittelklasse ausquetscht, sondern eine, die sie stärkt“, schiebt er nach – ein Seitenhieb gegen Präsident George W. Bush.

Kerry spricht mit gedehnter Stimme, wirkt bei jedem Satz kontrolliert. So lassen sich keine Massen mitreißen. Doch die Gewerkschafter von Atlantic City hat der Kandidat an jenem Abend auf seiner Seite. „Die Löhne gehen runter, und was passiert? Die Kosten für eure Gesundheit marschieren um 50 Prozent nach oben, die Studiengebühren steigen um 35 Prozent, und die Benzinpreise klettern weiter.“ Immer wieder brandet Beifall auf. „Kerry redet Tacheles und eiert nicht herum“, meint etwa der Stahlarbeiter Tom Fischbach.

Der Senator von Massachusetts will in den nächsten zwei Wochen quer durchs Land reisen und Bush mit wirtschafts- und sozialpolitischen Themen attackieren. Kerrys Sturmlauf gegen den „rabiaten Unilateralismus" des Präsidenten ist weitgehend verpufft. Bushs Charme-Offensive beim Abstecher in die Normandie sowie beim G8-Gipfel haben die Angriffe des Herausforderers abprallen lassen.

Hinzu kommt, dass die Schlagzeilen der US-Medien nicht mehr von hohen amerikanischen Verlusten im Irak geprägt sind und die Empörung über den Gefängnis-Skandal von Abu Ghraib abgeflaut ist. Nach einer Umfrage des Gallup-Instituts konnte Bush seine Zustimmungsrate von 47 auf 49 Prozent verbessern und liegt nun ganz knapp hinter Kerry.

Der Spitzenmann der Demokraten hat vor allem den Arbeitsmarkt als zentrales Schlachtfeld seiner Kampagne entdeckt. Das Vorhaben dürfte schwierig werden, denn die US-Konjunktur steht unter Dampf: Der Internationale Währungsfonds hat für dieses Jahr ein Wachstum von 4,6 Prozent vorausgesagt, und seit Januar wurden rund 1,2 Millionen neue Jobs geschaffen.

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