Kundus-Bericht
Nato schmettert Guttenberg-Bitte ab

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte die Isaf gebeten, eine nicht als geheim eingestufte zweite Version des Untersuchungsberichts vorzulegen, um damit an die Öffentlichkeit gehen zu können. Das lehnte die Nato nun ab.
  • 1

HB BERLIN. Der Bericht stecke voller geheimer Informationen und könne nicht in eine veröffentlichbare Form gebracht werden, antwortete die Nato-Truppe Isaf in einem Schreiben an das Bundesverteidigungsministerium, das der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlag. Der Report enthalte unter anderem Informationen zu nachrichtendienstlichen Taktiken und anderen sensiblen operativen Fragen, erklärte die Isaf. Es sei zwar eventuell möglich, alle geheimen Informationen herauszuredigieren. Damit würde der Bericht aber um einen so wesentlichen Teil reduziert, dass der verbleibende offene Abschnitt nicht mehr verständlich wäre.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte die Isaf gebeten, eine nicht als geheim eingestufte zweite Version des Untersuchungsberichts vorzulegen, um damit an die Öffentlichkeit gehen zu können. Die Bundeswehr war wegen des Luftangriffs auf zwei von den Taliban entführte Tanklaster Anfang September in die Kritik geraten. Einer Untersuchung der afghanischen Regierung zufolge kamen dabei neben 69 Taliban auch 30 Zivilisten ums Leben, die Benzin aus den Tanks zapften.

Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan nannte den Luftangriff vergangene Woche militärisch angemessen. Er äußerte sich aber nicht dazu, ob die deutschen Soldaten bei der Anordnung des Bombardements gegen die Regeln der Nato-Truppe Isaf verstießen. Nach Angaben der Linkspartei geht aus dem Bericht hervor, dass die Soldaten die Bedrohungslage überspitzt darstellten.

Am Freitag will Guttenberg den Bundestag über seine Bewertung des geheimen Nato-Berichts informieren. Er lud die Fraktionschefs für den frühen Nachmittag ins Ministerium ein. "Spiegel Online" berichtete, entgegen anderslautenden Medienberichten werde sich Guttenberg nicht von der ersten Stellungnahme Schneiderhans distanzieren. Der Minister werde die Lage aber differenzierter und mit mehr Details darstellen, berichtete die Online-Seite unter Berufung auf Guttenbergs Umfeld. Er werde zwar von Fehlern sprechen, die beim Angriffsbefehl durch die Bundeswehr passiert seien. Grundsätzlich solle es aber bei der Einschätzung bleiben, dass die Bombardierung militärisch angemessen war.

Dennoch werde es nach Einschätzung aus Regierungskreisen ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen den damaligen Kommandeur des Feldlagers Kundus geben, den deutschen Oberst Georg Klein, hieß es bei "Spiegel Online" weiter. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden prüft derzeit die Einleitung von Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung.

Kommentare zu " Kundus-Bericht: Nato schmettert Guttenberg-Bitte ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn bei dem Luftangriff auch "Zivilisten" umgekommen sind, dann sind das mit Sicherheit Sypathisanten der Taliban, da sie ansonsten von den Terroristen kein benzin erhalten hätten. Ausserdem hätten die Tanklaster irgendwann ein gutes Feuerwerk abgegeben. sh. beispiel irak

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%