Lage in Afghanistan verschlechtert sich
Taliban bekommt Verstärkung aus dem Ausland

Die radikal-islamischen Taliban erhalten nach Angaben der afghanischen Regierung zunehmend Verstärkung aus dem Ausland. Die Folgen sind für die internationalen Truppen spürbar: In Nordafghanistan mussten sich deutsche Soldaten zweimal innerhalb weniger Stunden aus Hinterhalten befreien, ein britischer Nato-Soldat wurde getötet.

HB KABUL/BERLIN. Immer mehr Kämpfer überquerten die Grenze von Pakistan aus, um sich den Angriffen auf die nationalen und westlichen Streitkräfte anzuschließen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kabul am Mittwoch. „Die Präsenz ausländischer Kämpfer nimmt zu und die Vorstöße der Terroristen werden zunehmend von Ausländern angeführt“, sagte der Sprecher.

Mit Beginn des Sommers hat eine Welle von Angriffen der Aufständischen auf die Nato-Einheiten und die afghanische Armee eingesetzt. In Mai und Juni wurden am Hindukusch mehr US-Soldaten als im Irak getötet, obwohl dort vier mal soviel Truppen stationiert sind.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat Pakistan vor kurzem scharf wegen der durchlässigen Grenze kritisiert. Deutschland hat im Norden 3700 Soldaten stationiert und rechnet auch in dieser bislang relativ ruhigen Region mit zunehmender Gewalt.

So mussten sich deutsche Truppen in Nordafghanistan zweimal innerhalb weniger Stunden aus Hinterhalten befreien. Ein britischer Nato-Soldat im Süden wurde bei einem Angriff Aufständischer auf einen Konvoi der Allianz getötet, wie das Bündnis am Mittwoch meldete.

Der Angriff auf den Nato-Konvoi erfolgte nach Angaben britischer Behörden in der südlichen Unruheprovinz Helmand am Dienstag. Der britische Soldat wurde dabei so schwer verletzt, dass er seinen Wunden wenige Stunden später erlag. Im Süden Afghanistans sind zumeist Angehörige der US-Streitkräfte oder des britischen Militärs im Einsatz.

Der stellvertretende Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses, Karl A. Lamers (CDU), sprach sich unterdessen für den von der Nato angefragten Einsatz von Awacs-Überwachungsflugzeuge aus, in denen auch deutsche Offiziere Dienst tun.

Lamers sah bei einem möglichen Einsatz der fliegenden Radarstationen Awacs keine Gefahr, dass Deutschland in einen größeren Konflikt verwickelt werden könnte. Im Südwestrundfunk sagte er zu entsprechenden Bedenken von SPD und der Opposition, es gehe um bessere Luftraumüberwachung, die von den bereits von Deutschland eingesetzten Aufklärungs-Tornados nicht geleistet werden könne.

Die Bundesregierung wies Vorwürfe zurück, sie verschleppe die Entscheidung über den Awacs-Einsatz, für den informelle Anfragen seit März vorliegen. Vor einer politischen Befassung seien technische und eventuelle verfassungsrechtliche Fragen zu klären.

Der Nato-Rat werde die Frage im Herbst behandeln. Dann komme dies auch in Parlament und Regierung zur Sprache. „Die Behauptung, dass irgendetwas verschleppt wurde, ist Quatsch,“ sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

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