Le Pen, Wilders, Petry
Die unterschätzte Gefahr

Donald Trump ist neuer US-Präsident. Ein Wahlsieg, den Demoskopen nicht haben kommen sehen. Das Phänomen ist auch in Europa zu beobachten: Die Stärke der Populisten wird laut einer Studie schon seit Jahren unterschätzt.
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BerlinNach dem Brexit und dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump sehen sich die EU-Gegner im Aufwind. Entsprechend laut meldeten sie sich bei einer Veranstaltung der Fraktion „Europa der Nationen und der Freiheit“ (ENF) im Europaparlament am Samstag in Koblenz zu Wort. Die Chefin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, rief die Europäer dazu auf, wie Briten und Amerikaner „aufzuwachen“. Nach dem Brexit würden andere EU-Staaten dem britischen Beispiel wie Dominosteine folgen. AfD-Chefin Frauke Petry forderte „den Mut, Europa neu zu denken“.

Die Rufe der Populisten klingen wie eine düstere Prophezeiung, an deren Erfüllung keine der traditionellen Parteien wirklich ernsthaft glauben mag. Doch die Rahmenbedingungen für Wahlerfolge sind für die Euro-Gegner derzeit so günstig wie noch nie. In Frankreich, Deutschland und den Niederlanden, wo Wahlkämpfe anstehen, haben die Parteien aus dem rechten Spektrum nach Umfragen gute Chancen auf Zuwächse. Möglicherweise fahren sie sogar größere Siege ein, als manchem lieb ist. Das legt eine Studie der DZ Bank nahe, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

„Trotz der inzwischen zahlreichen Wahlerfolge von Populisten wird ihr Abschneiden auf Basis demoskopischer Umfragen durchgehend unterschätzt“, heißt es in der Untersuchung. Die Analysen zeigen demnach, dass populistische Parteien in Europa bei landesweiten Wahlen seit dem Jahr 2002 im Durchschnitt 1,3 Prozentpunkte besser als auf Basis der durchschnittlichen Umfragewerte abgeschnitten haben. Erst nach dem Jahr 2011 stellen die Analysten eine leichte Verbesserung bei den Voraussagen fest. Sie führen dies darauf zurück, dass Demoskopen aus den Erfahrungen der vorherigen Wahlen gelernt und ihre Prognosemodelle angepasst hätten.

Allerdings, schränken die Experten ein, sei der Prognosefehler bei neuen populistischen Parteien, die auch als Folge der Staatsschuldenkrise entstanden seien, wie etwa die AfD, umso höher. Für den Zeitraum seit 2012 liegt demnach der durchschnittliche Fehler bei diesen Parteien bei etwa 2,2 Prozentpunkten. Im Zeitraum seit 2012 hätten populistische Parteien sogar in 69 Prozent der untersuchten Fälle bei Wahlen besser als erwartet abgeschnitten.

Die AfD hatte etwa bei einigen Wahlen besser abgeschnitten als zuvor in den Wählerbefragungen. Und selbst in den USA lagen die Meinungsforscher mit ihren Prognosen schon falsch, wie das Beispiel Donald Trump zeigt. Er ist zum Präsident gewählt worden, obwohl die Demoskopen etwas anderes erwartet hatten. Auch beim Brexit-Votum der Briten im Juni wurde die Öffentlichkeit kalt erwischt, zumal die meisten Meinungsumfragen das Lager der Austrittsgegner wochenlang vorn gesehen hatten.

Meinungsforscher sind sich der Prognosefehler durchaus bewusst. „Wir haben das AfD-Problem bei den Landtagswahlen im März (2016), etwa in Baden-Württemberg, noch unterschätzt, weil wir nicht mit solchen Dunkelziffern gerechnet haben“, räumte Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim, vor kurzem ein. „Das haben wir korrigiert und bei den letzten Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin richtig eingeschätzt.“

Auch Infratest dimap feilt an seinen Methoden. Um möglichst viel über Wähler aus dem rechten Spektrum zu erfahren, nutzt das Institut zusätzlich zu seinen telefonischen Erhebungen auch Online-Befragungen und persönlich-mündliche Erhebungen. Bei den jüngsten Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin lagen die AfD-Ergebnisse der Umfragen schon deutlich näher am Wahlergebnis als bei den zurückliegenden Wahlen in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt.

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  • Wenn ich diesen Artikel hier lese (Prognosemodelle, Prognosemodelle, Prognosemodelle) komm' ich mir vor wie auf dem Basar.

    Worum geht es hier eigentlich, um die Demokratie oder um die Verteilung von Posten?

  • 9 11 attacks,did usa do it itself or it just let it happen?
    Did usa administration murder 3000 american citizen in 9 11 attacks to justify starting a war against iraq?
    If al-qaeda did it, why go to kill 2 million Iraqi?
    OIL seem to be the motive of the crime.. which crime? killing of 2 million Iraqi or 3000 american?
    Can we believe that Al-qaeda personel who received few weeks of aviation lessons in usa and most of them never did fly single engine aircraft alone, can target the towers with a big high sophisticated boeing airplane?
    Usa declared its intent to start creative chaos in the middle east. In order to start all these wars usa needed a big event to use it a as a cause to start these wars and violence. They simply needed something as big as 9 11 attacks.
    Did usa train and supply isis with weapons ‘like it with al-qeada’ to play a major role in creating chaos in the middle east?
    Saddam who lost most of his power in 2nd gulf war and further by siege “in oil for food program which deprived iraq even from pencil for the kid” ,Saddam did not allow al-qaeda to enter iraq , not even to support him against usa.
    But only after usa occupation of iraq, isis started to appear in iraq.
    Did usa pave the way for isis to iraq to play a major role of creative chaos that still burning iraq?
    Plz publish my questions



  • Warum nennen Sie Parteien mit andren Ansichten Populisten? Früher nannte man sie Opposition. Nach dem wir einen Einheitsbrei an Parteien haben, jeder mit jedem, ist dies diskriminietend, denn auch die etablierten Parteien betreiben Populismus, versprechen viel und halten wenig.
    Mir sind die Deutschen Journalisten zu obrigkeitshörig, verteidigen die Etablierten anstatt auf der Seite der Mehrheit des Volkes zu stehen.

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