Leben nach Fukushima
Japans Angst vor der Radioaktivität

Die Medien sind Japan-müde geworden. Doch im Land herrscht keineswegs Normalzustand – auch in der Hauptstadt nicht. Die Sorge vor radioaktiver Verstrahlung ist weiter allgegenwärtig.
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TokioAnfang Juli, ein Anruf bei der Service-Hotline von Starbucks in Japan. Die Dame am Telefon hat eine liebliche Stimme. Einen Moment, sagt sie, da müsse sie sich erst einmal schlau machen. Dann die Antwort: Ja, man beziehe die Milch aus Hokkaido, aber auch aus den Präfekturen Saitama, Gunma und Tochigi. Tochigi grenzt an die Präfektur Fukushima, dort liegt das havarierte, Radioaktivität ausstrahlende Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi. Wird die Milch auf Radioaktivität gestestet? „Nein“, sagt die Dame, „solche Test führt Starbucks nicht durch“.

Tokio, eineinhalb Woche zuvor: Jürgen Trittin wirkt sehr sicher. Draußen ist es bereits dunkel, die Regenzeit ist gnädig, die feucht-warme Luft drückt an diesem Abend Mitte Juni nur mäßig auf die Schweißdrüsen. Sein Tag ist fast gelaufen. Nur noch dieses Journalisten-Gespräch in der deutschen Botschaft, den Teller mit Buffet-Kleinigkeiten gefüllt, balanciert er lässig in das Hinterzimmer, wo er sich in einen tiefen Sessel fallen lässt.

Zuvor, dort draußen im großen Saal, eine erträgliche Rede. Die Anteilnahme klingt ehrlich, die Eindrücke, die der Grünen-Fraktionschef aus der Katastrophenregion Tohoku mitbringt, wirken. Auch kein unpassender Scherz, wie wenige Tage zuvor noch CDU-Fraktionschef Volker Kauder, der den Japanern androht, ihnen demnächst das deutsche Ausstiegsmodell zu verkaufen. Trittin unterlässt es sogar, mit dem Namen der neben ihm stehenden Vorsitzenden der japanischen Sozialdemokraten zu jonglieren. Das tut Mizuho Fukushima später selbst.

Jürgen Trittin muss sich ganz sicher sein, denn dann, im Hinterzimmer, wiederholt er, was er auch in seiner Rede schon einmal betont hat. Touristen müssten nun also wirklich keine Angst haben, nach Japan zu reisen, wenn sie denn die Gebiete um das Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi meiden. Dieser Konzertauftritt, nur ein paar Tage, so viel Lärm darum, lächerlich. „Ich nenne da niemanden Spezielles“, sagt Trittin, und lächelt sein Überlegenheitslächeln. „Sie wissen ja sicher selbst.“

Gemeint ist offenbar die bayerische Staatsoper. Viel Diskussion gab es in Deutschland ob der Sorge einiger Mitglieder vor einem Gastspiel in Tokio und Yokohama im Herbst. Und auch Anna Netrebko, der Super-Star der Opern-Welt, hat vor kurzem einen Auftritt in Tokio abgesagt. Ist das nicht lächerlich? Was ist aus Tokio geworden, ist es nicht längst sicher dort?

Kommentare zu " Leben nach Fukushima : Japans Angst vor der Radioaktivität"

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  • war gleich nach dem Erdbeben fuer drei Wochen in Chiba, bin jetzt wieder seit 3 Wochen hier.

    Der Artikel ist typisch "a La Spiegel": alle Muelltonnen nebeneianderruecken, den Rest auslassen. Die Flieger sind voll, die Hotels nicht leer, Touristen sind wieder da.

    Reisen in Japan: aber ja doch. Nur vielleicht nicht in der Regenzeit.

    Rainer Repke
    1-4-1o, 204 Midoridai, Funabashi City, Chibe

  • Natürlich sind die Medien japanmüde geworden. Gibt ja auch nichts mehr über Super-GAUs und explodierende Kernkraftwerke zu berichten. Jetzt geht's nur noch um den langweiligen Wiederaufbau der zerstörten Landstriche und Hilfe für über hunderttausend Menschen, was schon längst vergessen ist in Deutschland: "Tsunami? Erdbeben? In Japan? Wann? Da ist doch nur ein AKW in die Luft geflogen und hat ganz Japan verstrahlt!"

    Wie Japan es schafft mit weniger als der Hälfte, und bald vermutlich gänzlich ohne AKWs, die nämlich nach und nach abgeschaltet werden, noch ausreichend Strom zu haben, nämlich durch massive Einsparbemühungen - interessiert hier auch keine Sau.

    Da wird einem kotzübel, echt...

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