Letzte Reise-Etappe
Frankreich: Obama lässt Sarkozy links liegen

Kaum war er da, ist er auch schon wieder weg: Nach seiner Blitzvisite in Deutschland ist US-Präsident Barack Obama in Frankreich angekommen, der letzten Etappe seiner Europareise. Doch Angela Merkel braucht nicht neidisch auf den französischen Staatspräsident Nicolas Sarkozy zu sein. Für ihn bleibt an diesem Wochenende nur die Statistenrolle.

COLEVILLE. Nach seiner Blitzvisite in Deutschland kam Enttäuschung auf, dass der populäre US-Präsident Barack Obama sich nicht mehr Zeit genommen hat. Doch Angela Merkel braucht nicht neidisch auf Frankreich zu sein, der letzten Etappe von Obamas Reise. Für Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy nimmt sich Obama de facto nicht mehr Zeit als für die Bundeskanzlerin. Umso mehr dagegen widmen sich die Obamas der französischen Hauptstadt zu – während eines Privatbesuchs. Ohne Sarkozy.

So hat Obama trotz allen Bitten und Flehens die Einladung Sarkozys zu einem Treffen im Elysée-Palast abgelehnt. Nach seiner Landung am Freitag abend übernachtete der US-Präsident in der hermetisch abgeriegelten Botschaft. Obwohl diese nur einen Steinwurf vom Elysée-Palast liegt, hat Obama die Einladung Sarkozys zu einem Abendessen am Freitag abend im Amtsitz des französischen Staatspräsidenten ausgeschlagen.

Eng getaktet bleibt das weitere Besuchsprogramm. Obama ist Samstag um kurz nach 12.00h in Caen mit seinem Helikopter gelandet. Von 12.10h bis 12.45h ist ein bilaterales Treffen beider Staatschef vorgesehen – in den 35 Minuten ist dabei eine Mini-Pressekonferenz von kaum mehr als zehn Minuten bereits eingerechnet. Danach gibt es ein Arbeitsessen, und gegen halb drei Nachmittags beginnen die Feierlichkeiten zur Erinnerung an den 65. Jahrestag des D-Day auf dem US-Soldatenfriedhof in Colleville.

Dort liegen 9 387 gefallene US-Soldaten begraben, jedes Grab ist mit einem weißen Steinkreuz gekennzeichnet. An den Feierlichkeiten neben auch der britische Premieminister Gordon Brown, Prinz Charles, sowie der kanadische Premierminister Stephen Harper teil. In Coleville warten schon die geladenen Gäste auf ihren blauen Stühlen vor dem großen roten Podium, das die Amerikaner vor dem Gedenkbogen des Soldatenfriedhofs errichtet haben.

Nach der Gedenkstunde reist Obama wieder nach Paris – aber ohne noch einmal Sarkozy zu treffen. Den der Rest der Visite wurde als „privat“ gekennzeichnet. So will der US-Präsident seinen Kindern Malia (zehn Jahre) und Sasha (sieben Jahre) Paris zeigen. Laut „Figaro“ will die Familie die Katherdrale Notre-Dame und das Museum Centre Georges-Pompidou besuchen.

Die Visite Obamas in Frankreich beschränkt sich damit genauso auf symbolhafte Gesten wie sein Besuch in Deutschland. Das mag Deutsche und Franzosen frusten, ist aber aus US-Sicht verständlich. Denn Europa ist derzeit gewiss nicht die politische Priorität der Regierung der Vereinigten Staaten.

Denn das wichtigste hat Obama in Europa bereits geschafft: Die Beziehungen zu den alten Allierten wieder zu normalisieren, die durch acht Jahre Bush Administration arg strapaziert worden waren. Obama hat in Europa neues Vertrauen geschaffen, bis tief in die Bevölkerung hinein.

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