Letzter Akt im Katz-und-Maus-Spiel
Ex-Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber gibt nicht auf

Acht Jahre hat Ex-Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber in Kanada mit allen juristischen Mitteln gegen seine Auslieferung an Deutschland gekämpft. Am Samstag um eine Minute nach Mitternacht hätte er nun tatsächlich mit Handschellen in ein Flugzeug nach Deutschland verfrachtet werden können. Doch vieles spricht dafür, dass es noch einige Überraschungen gibt.

HB NEW YORK/OTTAWA. Denn Schreiber, Schlüsselfigur der CDU-Spendenaffäre, hat mit einem geschickten Schachzug mächtige Mitstreiter gewonnen. Seit er kürzlich gegen den kanadischen Ex-Premier Brian Mulroney wegen eines Schmiergeldgeschäfts neue Vorwürfe erhob, setzen sich die drei Oppositionsparteien in Ottawa mit allen parlamentarischen Tricks für seinen Verbleib in Kanada ein. Die Minderheitsregierung des konservativen Premiers Stephen Harper steht erheblich unter Druck.

„Ich weiß, dass unsere deutschen Freunde viele Fragen zu sehr schwerwiegenden Vorwürfen an Herrn Schreiber haben“, sagt der liberale Oppositionsführer Stéphane Dion. „Aber ich glaube, wir müssen erstmal die kanadischen Fragen klären.“ Selbst die Bevölkerung ist einer Umfrage zufolge dafür, Schreibers Auslieferung zu stoppen, um ihn zu den Vorwürfen zu befragen. Etwa zwei von drei Kanadiern äußerten sich entsprechend. „Die Kanadier haben das Gefühl, dass zwischen Schreiber und Mulroney etwas stinkt“, folgerte Umfragechef Darrell Bricker.

Die meisten Bürger können sich noch an das spektakuläre Gerangel um die Verstrickung der beiden in die Airbus-Affäre erinnern, die Kanadas Politik über Jahre hinweg fast lahmlegte. 1995, zwei Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt, hatte Mulroney die kanadische Regierung auf 50 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt – er fühlte sich zu Unrecht beschuldigt, bei einem Airbus-Geschäft von 1988 Schmiergeld angenommen zu haben. Das in der Geschichte Kanadas beispiellose Verfahren endete 1997 mit einem Vergleich. Mulroney ließ sich mit 2,1 Millionen aus der Staatskasse abfinden.

Dass die Geschäftsbeziehung zwischen den beiden Männern nun erneut hochkocht, hat bei allen Parteien die Alarmglocken schrillen lassen. Dieses Mal geht es um 300 000 Dollar, die Schreiber Mulroney wie bekannt 1993 und 1994 in drei Tranchen zusteckte. Der bis heute einflussreiche Ex-Premier sollte dafür unter anderem den Aufbau von Schreibers Nudelfabrik fördern. Neu an dem Vorwurf ist, dass Mulroney dem Deal angeblich noch während seiner Amtszeit zugestimmt hat - das wäre ein krasser Verstoß gegen die Ethikregeln der Politik.

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