Letzter Tag im Amt
Irlands Regierungschef scheidet als Friedensstifter

Am seinem letzten Tag als irischer Ministerpräsident hat sich Bertie Ahern noch einmal als Friedensstifter präsentiert. Gemeinsam mit dem einstigen Hardliner der probritischen Protestanten, Nordirlands Regierungschef Ian Paisley, beschwor er die gemeinsame Zukunft von Protestanten und Katholiken in Irland. Seiner eigenen politischen Zukunft stand ein Korruptionsskandal entgegen.

ap DROGHEDA/IRLAND. Mit einer symbolischen Zeremonie für den Frieden hat sich der irische Ministerpräsident Bertie Ahern aus dem Amt verabschiedet. An seinem letzten Tag als „Taoiseach“ traf er am Dienstag mit dem ebenfalls bald scheidenden nordirischen Regierungschef Ian Paisley zusammen, um feierlich ein Tourismuszentrum auf dem historischen Schlachtfeld am Fluss Boyne einzuweihen. Die langjährigen Kontrahenten präsentierten sich dabei beide als Friedensstifter.

Ahern und Paisley verwendeten historische Schwerter aus dem 17. Jahrhundert, um das Band vor dem neuen Tourismuszentrum zu zerschneiden. „Wir müssen alle unsere gemeinsame Geschichte verstehen, um eine gemeinsame Zukunft aufzubauen“, sagte Ahern vor rund 1 000 Gästen, darunter viele nordirische Protestanten, die zum ersten Mal in die Republik Irland gekommen waren. Paisley erklärte, es dürften keine Rückkehr zu den „schlechten Tagen“ der Vergangenheit geben: „Die Zeit des Tötens muss für immer vorbei sein.“

In der Schlacht am Fluss Boyne nordwestlich von Dublin bezwang der Protestant Wilhelm von Oranien 1690 den englischen König James II., einen Katholiken, und wurde sein Nachfolger. Der Jahrestag wird vom protestantischen Oranier-Orden in Nordirland jedes Jahr mit Umzügen gefeiert. Da die Paraden auch durch katholische Stadtviertel führen, kommt es häufig zu erbitterten Straßenschlachten.

Ahern war wesentlich am Zustandekommen des sogenannten Karfreitagsabkommens von 1998 beteiligt, das der ersten Belfaster Allparteienregierung aus probritischen Protestanten und katholischen irischen Nationalisten den Weg ebnete. Paisley lehnte diese Vereinbarung zunächst kategorisch ab, erklärte sich zuletzt aber doch zur Zusammenarbeit mit der Partei Sinn Fein bereit, die stets der Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) nahestand. Seit einem Jahr leitet er gemeinsam mit dem stellvertretenden Sinn-Fein-Chef Martin McGuinness eine neue Regierung in Belfast, wird jedoch voraussichtlich im kommenden Monat zurücktreten.

Der seit 1997 regierende Ahern wollte noch am Dienstagabend bei der irischen Präsidentin Mary McAleese seinen Rücktritt einreichen. Der 56-Jährige kündigte dies Anfang April an, nachdem er wegen eines Finanzskandals immer stärker unter Druck geraten war. Die gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe hat er allerdings stets zurückgewiesen. Nachfolger Aherns als Taoiseach, wie das Amt des irischen Regierungschefs auf Gälisch heißt, soll der bisherige Finanzminister Brian Cowen werden.

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