Liberias Ex-Präsident
Tribunal verurteilt Charles Taylor

Zum ersten Mal ist ein ehemaliger afrikanischer Staatschef von einem internationalen Gericht verurteilt worden. Charles Talyor ist schuldig für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
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Den HaagDas Sondertribunal für Sierra Leone hat den liberianischen Ex-Staatschef Charles Taylor wegen Kriegsverbrechen in dem westafrikanischen Land schuldig gesprochen. Das Gericht befinde Taylor in allen Punkten für schuldig, sagte Richter Richard Lussick bei der Urteilsverkündung am Donnerstag im niederländischen Leidschendam. Es war der erste internationale Schuldspruch gegen einen ehemaligen Staatschef seit dem Zweiten Weltkrieg.

Zu den elf Anklagepunkten gegen Taylor zählten unter anderem Mord, Vergewaltigung und Plünderung. Taylor habe während des Bürgerkriegs in Sierra Leone von 1991 bis 2001 die Rebellen bewaffnet, um sich im Gegenzug so genannte Blutdiamanten zu beschaffen, urteilte das Gericht. Während des Bürgerkriegs wurden etwa 120.000 Menschen getötet.

Der heute 64-Jährige, der zwischen 1997 und 2003 Präsident von Liberia war, kontrollierte nach Überzeugung des Gerichts die Rebellen der Revolutionären Vereinten Front (RUF) und ließ seine Truppen an deren Seite kämpfen. Taylor sei damit verantwortlich für die Verbrechen der Rebellen, die unter anderem Kindersoldaten rekrutierten. Mit Hilfe der Rebellen häufte Taylor dem Gericht zufolge Diamantenschätze an. Taylor war 2003 nach einer Rebellion gegen ihn aus Liberia geflüchtet und 2006 im nigerianischen Exil festgenommen worden.

Die Verlesung des Urteils in dem nahe Den Haag ansässigen Gericht dauerte mehr als zwei Stunden. Der bei der Verhandlung elegant gekleidete Taylor, der hinter seinen Verteidigern saß, machte sich während der Verlesung zahlreiche Notizen. Der Ex-Staatschef hatte auf nicht schuldig plädiert.

Die Urteilsverkündung wurde live in den Sitz des Tribunals in Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones, übertragen. Der Prozess war 2006 aus Sicherheitsgründen in die Niederlande verlegt worden. In der liberianischen Hauptstadt Monrovia wurde am Donnerstag ein Großaufgebot an Sicherheitskräften mobilisiert.

Das Strafmaß gegen Taylor soll am 30. Mai verkündet werden. Nach Angaben des Außenministeriums in London soll Taylor seine Strafe in einem britischen Gefängnis verbüßen. Der Ort und die Art der Haftanstalt hänge von den Details des Urteils ab, sagte eine Ministeriumssprecherin. Das Angebot Großbritanniens aus dem Jahr 2007, Taylor im Falle eines Schuldspruches in Haft zu nehmen, sei Teil der Abmachung gewesen, ihn in den Niederlanden vor Gericht zu stellen.

„Es ist auch Teil der Rolle, die Großbritannien dabei spielte, Frieden nach Sierra Leone zu bringen“, sagte die Sprecherin. Der damalige britische Premierminister Tony Blair hatte auf dem Höhepunkt des Bürgerkriegs in Sierra Leone Truppen in das westafrikanische Land entsandt.

Der Schuldspruch gegen Taylor war der erste eines internationalen Gerichts gegen einen ehemaligen Staatschef seit den Nürnberger Prozessen nach dem Zweiten Weltkrieg. 1946 war der Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, Karl Dönitz, zu zehn Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen verurteilt worden, nachdem ihm gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die Macht von Adolf Hitler als Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches übertragen wurde.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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