London im Kerzenschein
„Unsere Werte werden die Oberhand behalten“

Einen Tag nach dem Terroranschlag im Londoner Regierungsviertel haben sich Tausende Menschen am Trafalgar Square getroffen, um der Opfer des Angriffs zu gedenken. Die Londoner wollen sich nicht unterkriegen lassen.
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LondonSchon vor dem offiziellen Beginn der Gedenkfeier taucht ein Meer von Kerzen den Trafalgar Square mitten in London in ein warmes Licht. Nach und nach kommen an diesem Donnerstagabend mehr Menschen hinzu, mehr Kerzen werden angezündet – um der Opfer des Terroranschlags im Londoner Regierungsviertel zu gedenken. Die Menschen stehen da, ruhig und gefasst, vereint in Trauer und Solidarität.

Applaus brandet auf, als Innenministerin Amber Rudd das Wort ergreift: „Die Terroristen werden uns nicht besiegen, wir werden sie besiegen“, sagt sie. Dann schweigt die Menge wieder, als Bürgermeister Sadiq Khan die Namen der drei Opfer ausruft, die die Attacke eines 52-Jährigen Briten am Vortag in den Tod gerissen hat.

Der Mann war mit hoher Geschwindigkeit auf Passanten auf einer Brücke im Regierungsviertel gerast, bevor er einen Polizisten niederstach, der das Parlamentsgebäude bewachte. Der Angreifer starb ebenfalls bei dem Vorfall, 40 Menschen wurden verletzt, von denen 29 noch im Krankenhaus behandelt werden. Es war der erste größere Anschlag dieser Art in London seit dem Sommer 2005. Am Tag danach versucht die Stadt in die Normalität zurückzufinden, während die Polizei Details zum mutmaßlichen Täter und seinen Namen veröffentlicht: Khalid Masood.

Der Mann war der Polizei bekannt – wegen Vorfällen wie Körperverletzung und illegalem Waffenbesitz. Er hat eine ganze Reihe von Vorstrafen, die sich in den Jahren 1983 bis 2003 angesammelt haben. Im Zusammenhang mit Terrorismus sei er nie verurteilt worden, teilen die Behörden mit. Doch Premierministerin Theresa May hatte zuvor bereits im Parlament erklärt, der Inlandsgeheimdienst MI5 haben ihn mal im Visier gehabt – wegen des Verdachts auf gewaltbereiten Extremismus. Doch das sei inzwischen Jahre her und Khalid Masood eigentlich eine Randfigur.

Im Lauf des Donnerstags nimmt die Polizei nach Razzien, unter anderem in Birmingham, wo der Täter zuletzt gelebt haben soll, acht Menschen fest. Sie stehen im Verdacht, bei der Vorbereitung des Terroranschlags mitgeholfen zu haben.

Am Abend, bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer, kommen Politiker und Polizisten, Christen und Muslime, Touristen und Londoner zusammen. Menschen wie Yasmin Bunnan, eine Studentin, die seit einem Jahr in der britischen Hauptstadt lebt. „Ich will, dass die Stadt so bunt gemischt, so vielfältig bleibt, dafür müssen wir kämpfen.“

Neben ihr steht eine Schulklasse aus Italien mit ihren Lehrern. Weil das Regierungsviertel an diesem Tag teilweise gesperrt bleibt, haben sie weder das Parlamentsgebäude noch den Regierungssitz der Premierministerin in der Downing Street sehen können. „Aber die Stimmung hier heute Abend, die Atmosphäre in der Stadt, die Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen“, sagt einer von ihnen, während er seine Kerze anzündet, „das alles ist sowieso soviel besser.“

Zuvor hatte schon Großbritanniens Premierministerin Theresa May die Stärke der Menschen in der britischen Hauptstadt beschworen: London sei die großartigste Stadt der Welt, sagte sie im Parlament. Die Menschen hätten die beste Antwort auf den Anschlag gegeben, indem sie ganz normal ihr Leben fortgesetzt hätten und zur Arbeit gefahren seien. „Die Straßen sind so belebt wie immer“, die Büros und Cafés ebenfalls. Diese Normalität zeige: „Wir werden nicht aufgeben. Unsere Werte werden die Oberhand behalten.“

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