Macron und das Militär
Französischer Generalstabschef tritt zurück

Nach dem Disput zwischen Emmanuel Macron und dem Militär tritt Generalstabschef Pierre de Villiers zurück. Der französische Präsident steht vor der ersten großen politischen Belastungsprobe seiner Amtszeit.
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ParisFrankreichs Generalstabschef Pierre de Villiers hat am Mittwoch seinen Rücktritt eingereicht. Präsident Emmanuel Macron steht vor der ersten großen politischen Belastungsprobe seiner Amtszeit. In der seit dem 12.Juli schwelenden Krise zwischen ihm und de Villiers gibt der General keinen Zentimeter nach. De Villiers begründet seinen Abschied nicht mit fehlendem Vertrauen zwischen dem Präsidenten und ihm. Vielmehr schreibt er: „Ich kann nicht mehr die Nachhaltigkeit des Modells einer Armee sichern, die Frankreich und die Franzosen schützt und die Ambitionen unseres Landes gewährleistet.“

Damit widerholt der seit drei Jahren amtierende General den Vorwurf, der die Krise ausgelöst hat: Mit den Einsparungen von 850 Millionen Euro in diesem Jahr stelle die Regierung die Verteidigungsfähigkeit des Landes in Gefahr. Ein ungeheurer Vorwurf, den Macron sofort nicht nur als Kritik in der Sache, sondern auch als Angriff auf seine Autorität empfunden hat.

Nachdem de Villiers seine Kritik bei einer Regierungssitzung formuliert und Macron ihm Zusicherungen für eine Aufstockung des Wehretats in 2018 gegeben hatte, wiederholte und verschärfte de Villiers seine Vorwürfe vor dem Verteidigungsausschuss der Nationalversammlung. Seine Kritik gipfelte in in den doch eher drastischen Worten: „Ich lasse mich nicht (vom Finanzministerium) f*cken.“

Macron hatte den General öffentlich zur Ordnung gerufen, in einer Rede vor den Militärs am 13.Juli daran erinnert, dass bestimmte Debatten nicht in der Öffentlichkeit geführt werden sollten und der Staatschef die oberste Autorität habe. Er sagte aber auch, de Villiers habe sich zum Instrument „einer militärisch-industriellen Lobby“ machen lassen. Die Einsparungen in diesem Jahr führen dazu, dass bestimmte Beschaffungen zurückgestellt werden.

Der Präsident versuchte, einen Ausgleich mit dem obersten Militär zu finden, traf sich am Montag mit ihm und setzte für Freitag einen weiteren Termin an. Den hat de Villiers nun nicht abgewartet. Macron hat zwar seine Autorität durchgesetzt, doch die Krise ist damit nicht vorbei. De Villiers gilt als beliebt in der Armee, viele Soldaten könnten Macron den Rücktritt de Villiers nachtragen. Auf der Facebook-Seite des Generalstabs liest man rebellische Töne: „Unsere Loyalität gehört Ihnen, mein General, nicht dem Präsidenten.“

Nachfolger als Chef des französischen Militärs wird Francois Lecointre. Dies teilte Regierungssprecher Christophe Castaner am Mittwoch mit. Lecointre hat zuletzt eine militärische Trainingsmission der EU in Mali geleitet, die bei der Bekämpfung islamischer Extremisten half.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Macron und das Militär: Französischer Generalstabschef tritt zurück"

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  • @Herr Otto Berger 19.07.2017, 13:34 Uhr

    Einen Artikel, der so eine Überschrift trägt, brauche ich erst gar nicht lesen.
    Der Autor*in ist sich nicht zu schade, die tatsächlich, real erbrachte Leistung der Mitglieder des 20. Juli 1944 in den Dreck zu ziehen.
    Denn egal ob das Vorhaben erfolgreich oder eben leider nicht erfolgreich war, zeigt es , dass es Menschen gab, die bereit waren mit letzter Konsequenz für Ihre Überzeugung gegen ein verbrecherisches Unrechtsregime einzutreten.

    Von daher verbietet es der Respekt, über das Wort "Versager" überhaupt nachzudenken, geschweige denn es auszusprechen oder zu schreiben.

    Sich selbst nicht "aus der Deckung" trauen, die Realitäten ausblenden, locker im Mainstream mitschwimmen und "schlaue" Sprüche machen - das gab es 1944 wie heute....

  • @ Herr Grute Pier ...... hier ein interessanter Artikel in der "Zeit" zum 20.07.1944 :

    Helden oder Versager ?
    Link :http://www.zeit.de/1967/29/helden-oder-versager/seite-5

  • @Herr Hans Henseler 19.07.2017, 12:29 Uhr

    Im Bericht steht. „Ich kann nicht mehr die Nachhaltigkeit des Modells einer Armee sichern, die Frankreich und die Franzosen schützt und die Ambitionen unseres Landes gewährleistet.“

    De Viliiers hat somit eine eindeutige, für mich nachvollziehbare Begründung abgegeben, warum er die Politik des Herrn Macron (und seiner Vorgänger) NICHT mittragen kann oder will.

    Dazu schrieb ich im ersten Kommentar. "es soll sie noch geben: Menschen, die eine klare Meinung und Prinzipien haben, diese entsprechend vertreten und falls erforderlich, auch konsequent handeln."

    Danach folgte meine Parallele zum Zustand der Bundeswehr.

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