Macrons Weg in den Élysée-Palast
Zwei dringende Projekte und kaum Zeit

Vor der Amtsübergabe am Sonntag muss der frisch gewählte Präsident Frankreichs noch viele wichtige Entscheidungen treffen – doch die Zeit ist knapp. Derweil löst sein Sieg auch Erschütterungen in anderen Parteien aus.
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ParisWenn die Wahlkampagne hektisch war für Emmanuel Macron, was sind dann die wenigen Tage bis zur Amtsübergabe am Sonntag? Der Bald-Präsident weiß nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Mittwoch ist der letzte Tag, an dem er noch die Liste der 577 Kandidaten bearbeiten kann, die im Namen seiner Bewegung zur Parlamentswahl antreten. „En Marche!“ hat sich umbenannt in „La République en marche“. Das Kürzel REM will man aber vermeiden, es lädt zu Verwechslungen ein: Mit einer Einheit für Verstrahlung, mit einer in die Jahre gekommenen Rockgruppe oder mit der Tiefschlaf-Phase.

Donnerstag wird die Liste bekanntgegeben, hat Generalsekretär Richard Ferrand zugesagt. Schwierige Fragen sind noch zu klären – unter anderem die, ob Manuel Valls aufgenommen wird, Sozialist und Ex-Premier. Der hat sich selbst ins Spiel gebracht, obwohl ihn eine herzliche Abneigung mit Macron verbindet, die der neue Präsident wohl erwidert.

Gleichzeitig muss Macron noch sein zweites dringendes Projekt vorantreiben, die Zusammenstellung seiner Regierung. Nicht sicher ist deshalb, ob er am Mittwoch die Zeit findet, François Hollande am Vormittag zur Feier des Jahrestages der Abschaffung der Sklaverei zu begleiten, wie es beabsichtigt war.

In den anderen Parteien löst die Wahl Macrons weitere Erschütterungen aus. Die erst 27-jährige Marion Maréchal-Le Pen wird am Mittwoch offiziell ankündigen, dass sie sich aus der Politik zurückzieht. Innerhalb des rechtsextremen Front National war sie die gefährlichste Herausforderin ihrer Tante Marine Le Pen: katholischer, konservativer, aber im Wirtschaftlichen liberaler. Doch spätestens seit der aggressiven Ausfälle der FN-Chefin bei der TV-Debatte mit Macron weiß Marion wohl, zu welcher Schlammschlacht ein Konflikt mit der Tante würde. Das will sie sich nicht antun.

Fernab der Politik geht es derweil ganz geordnet zu: Die Aktionäre von Peugeot-Citroën stimmen bei einer außerordentlichen Hauptversammlung über Optionsscheine für General Motors ab, und damit indirekt über den Kauf von Opel. Die Hauptaktionäre – Familie, Staat und Dongfeng – halten 51 Prozent der Stimmrechte und haben ihre Wahl schon getroffen: Sie sind dafür. Das würde den französischen Politikern auch gefallen, wenn man die Mehrheit schon vor der Wahl sicher hätte.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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