Marode Eisenbahn-Infrastruktur
Philadelphia - Eine Katastrophe mit Ansage

Das Zugunglück von Philadelphia verschärft die Diskussion um Amerikas marode Infrastruktur. Die Stimmung ist im Vorwahlkampf gereizt. Niemand will schuld sein. Doch die Tragödie war vorhersehbar.
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San FranciscoEs sind Bilder des Grauens. Die Helfer arbeiten sich noch durch das Trümmerfeld des Zugunglücks in Philadelphia, mindestens sieben Menschen sind tot, weitere sechs kämpfen noch um ihr Leben. Insgesamt sind rund 200 Verletzte zu beklagen.

Doch bei aller Bestürzung hält das das politische Washington nicht davon ab, ihr internes Parteiengezänk weiter zu verstärken. Nur wenige Stunden nachdem ein Passagierzug des staatlichen Betreibers Amtrak auf dem Weg von Washington nach New York City in einer Kurve entgleist war, warfen sich Republikaner und Demokraten gegenseitig politisches Versagen und Stimmungsmache auf Kosten der Opfer vor. Aggressivität liegt in der Luft, die Wortwahl ist scharf.

Weitere drastische Kürzungen

Es ist ein tragisches Zusammentreffen von Ereignissen. Am Dienstag kam es zur Tragödie und am Mittwoch verabschiedete das republikanisch regierte Repräsentantenhaus für 2016 eine weitere drastische Kürzung der staatlichen Mittel für das defizitäre Zugunternehmen. Präsident Barack Obama fordert dagegen eine Anhebung der Mittel zur Sanierung der Infrastruktur.

Demokratische Politiker halten eine Verschiebung der Kürzungsdebatte für angebracht, bis die Unfallursache geklärt sei. Die Republikaner, die die Stimmenmehrheit in Repräsentantenhaus und Senat halten, wollen die Kürzungen ohne Verzögerung beschließen. Nach der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse könne man dann noch einmal reden. Der demokratische New Yorker Abgeordnete Steve Israel warf den Kontrahenten die Setzung von „falschen Prioritäten“ vor. Die Menschen hätten von Washington erwartet, dass sie für ihre Sicherheit sorgen. Doch „gestern Nacht haben wir sie im Stich gelassen.“

Das lässt der republikanische Abgeordnete Mike Simpson aus Idaho nicht auf sich sitzen. Sichtlich erregt verbat er sich bei einer Anhörung am Mittwoch, den „Unfall mit der Haushaltsdebatte zu verknüpfen“, ohne „irgendeine Ahnung“ zu haben, was da passiert sei. „Macht das nicht“, rief er in Richtung der demokratischen Fraktion: „Das ist unter eurer Würde!“

Ersten unbestätigten Informationen zufolge war der Zug mit rund 100 Meilen pro Stunde (160 km/h) auf einer Strecke unterwegs, auf der 50 Meilen erlaubt sind. Der Fahrtenschreiber des Zuges ist mittlerweile geborgen. Der Fahrer habe in letzter Sekunde noch ein Notbremsung eingeleitet, was die Geschwindigkeit aber nur noch wenig verringert habe, so Robert Sumwalt, Sprecher der Verkehrssicherheitsbehörde NTSB.

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  • Hallo Allerseits,,

    leider, das ist nur Frage der Zeit, was , bei uns auch kommen könnten.
    Die Regierung gibt viel, viel zu wenig Geld für die Instandsetzungen unserer
    maroden Strecken und Wegen. Da die Regierung, ihrer Meinung nach,
    unser sauer verdientes Geld auf ganzem Welt verpulvert MUSS, Und warum ?
    Wenn Sie es nicht wissen, kann niemand Ihnen helfen, weil es das Denken nur
    selbständig gibt. Und kein Spruch: BILD Deine Meinung, hilft überhaupt dabei.
    Schöne Grüße für Denkende
    Tyc

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